Führung flexibel gestalten
Die Schulleitung analysiert eine konkrete Führungssituation aus dem Schulalltag, stellt fest, welcher Führungsansatz dabei zum Einsatz kam, und erkundet alternative Reaktionsmöglichkeiten, die besser zur jeweiligen Situation passen könnten. Anschließend entwickelt das Team eine kleine, gezielte Veränderung des eigenen Führungsverhaltens, die bei einer zukünftigen Besprechung oder in einer anderen schulischen Situation erprobt werden kann. Die Methode macht Führung zu einer bewussten Folge von Entscheidungen, anstatt sie auf einen einzigen, unveränderlichen Führungsstil zu reduzieren.
Ziel
Diese Methode stärkt das Gefühl von Freiheit innerhalb der Schulleitung. Sie unterstützt Führungskräfte dabei zu erkennen, dass Führung anpassungsfähig und nicht auf einen festen Stil beschränkt ist. Sie vermittelt die Vorstellung, dass eine Führungskraft bewusst eine Reaktion wählen kann, die zur Klasse, zum Team oder zur jeweiligen Situation passt, anstatt jedes Mal dieselben gewohnten Verhaltensweisen zu wiederholen. In Glassers Modell bedeutet Freiheit, Wahlmöglichkeiten zu haben und diese verantwortungsvoll zu nutzen. Auf die Schulleitung übertragen heißt das, den eigenen Führungsstil an die jeweilige Situation anzupassen und dabei klar, fair und professionell zu bleiben.
Einsatz und Lernergebnisse
- Die Methode: unterstützt die Schulleitung dabei, zu erkennen, wie sie in unterschiedlichen Situationen derzeit führt;
- fördert flexibles statt starres Führungsverhalten;
- unterstützt eine reflektierte Entscheidungsfindung bei Besprechungen und im schulischen Alltag;
- stärkt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, den Führungsstil an die Anforderungen der jeweiligen Situation anzupassen;
- führt zu einer konkreten Veränderung des Führungsverhaltens, die im Schulalltag erprobt werden kann.
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
Benötigt wird ein Raum, in dem die Mitglieder der Schulleitung in kleinen Gruppen zusammensitzen und sich für kurze Gespräche zu zweit auch im Raum bewegen können. Ein Flipchart oder Whiteboard ist hilfreich, um wiederkehrende Führungsmuster und ausgewählte Ideen für Veränderungen zu sammeln. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
15 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie eine aktuelle oder typische Führungssituation aus, die eine Reaktion erfordert hat.
• Bereiten Sie das Arbeitsblatt „Meine Führungssituation im Überblick“ für die individuelle Reflexion vor.
• Drucken Sie die Karten „Führung flexibel gestalten“ aus, mit denen alternative Reaktionen erkundet werden können.
• Drucken Sie den „Plan für meinen nächsten Führungsschritt“ für den abschließenden Arbeitsschritt aus.
• Bereiten Sie Moderationskarten bzw. Haftnotizen, Stifte und Klebepunkte vor.
• Wenn möglich, vereinbaren Sie ein Folgetreffen, bevor die Sitzung endet.
Prinzipien für den Erfolg
• Konzentrieren Sie sich auf reale Situationen, nicht auf abstrakte Theorie.
• Fördern Sie flexibles Denken, statt Reaktionen als „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten.
• Gestalten Sie die Methode praxisnah, respektvoll und ohne wertende Beurteilungen.i.
• Richten Sie den Fokus auf Wahlmöglichkeiten und Entscheidungen, die Führungskräfte tatsächlich beeinflussen können.
• Beendon Ideenen Sie die Sitzung mit einer konkreten Veränderung, die erprobt werden kann, statt mit einer langen Liste.
Materialien
• Ausgedrucktes Arbeitsblatt „Meine Führungssituation im Überblick“
• Ausgedruckte Karten „Führung flexibel gestalten“
• Ausgedruckter „Plan für meinen nächsten Führungsschritt“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard
Ablauf
Einführung
5 MinutenMögliche Einführung:
„Führung in der Schule bedeutet nicht, immer denselben Ansatz zu verwenden. Manche Situationen erfordern Klarheit und Orientierung, andere verlangen Zuhören, wieder andere brauchen Struktur oder Freiraum. Heute betrachten wir eine konkrete Situation aus Ihrem Führungsalltag. Wir fragen uns, was diese Situation gebraucht hat, welche Art der Führung zum Einsatz kam und welche Veränderung beim nächsten Mal besser funktionieren könnte.“
Die Moderation erklärt, dass die Sitzung von einer konkreten Führungssituation ausgeht. Anschließend werden wiederkehrende Führungsmuster sichtbar gemacht, alternative Reaktionen in einer kurzen Übung erprobt und schließlich ein konkreter Plan für eine Veränderung entwickelt.
Meine Führungssituation im Überblick
10 MinutenDabei setzen sie sich beispielsweise mit folgenden Fragen auseinander:
• Welche Situation hat mich kürzlich dazu aufgefordert, auf eine bestimmte Weise zu führen?
• Wie habe ich in diesem Moment reagiert?
• Was hat an meiner Reaktion gut funktioniert?
• Was war weniger wirksam?
• Was schien die Situation am dringendsten zu benötigen?
Die Moderation ermutigt die Teilnehmenden, eine konkrete Situation auszuwählen. Beispiele dafür sind ein Konflikt im Kollegium, eine Besprechung, die vom eigentlichen Thema abgekommen ist, ein Problem mit einer Frist, ein schwieriges Gespräch oder ein Moment, in dem das Team mehr Klarheit benötigt hat.
Dieser Schritt macht das eigene Führungsverhalten sichtbar, bevor die Gruppe beginnt, alternative Reaktionsmöglichkeiten zu erkunden.
Muster sichtbar machen
10 Minuten• Struktur
• ruhige Präsenz
• Klarheit der Erwartungen
• Flexibilität
• Zuhören
• Tempo und zeitliche Gestaltung
• Grenzen
• emotionaler Ton
Anschließend identifiziert die Gruppe gemeinsam:
• eine Führungsreaktion, die gut funktioniert hat
• eine Reaktion, die zu starr oder zu wenig verbindlich wirkte;
• eine Situation, in der ein anderer Führungsstil hilfreich gewesen wäre.
Dieser Schritt unterstützt die Schulleitung dabei zu erkennen, dass Führung von der jeweiligen Situation abhängt und unterschiedliche Kontexte unterschiedliche Reaktionen erfordern. OECD-Materialien zu den Handlungsspielräumen von Lehrkräften und zur Führung im Bildungswesen unterstreichen die Bedeutung von Autonomie, offenem Dialog und anpassungsfähiger Schulleitung.
Alternative Führungsreaktionen erproben
15 MinutenIhre Aufgabe ist es, für die ausgewählte Situation alternative Führungsreaktionen zu erkunden. Dabei betrachten sie:
• Welcher Führungsstil kam bisher zum Einsatz?
• Was schien die Situation zu benötigen?
• Welche alternative Reaktion könnte besser passen?
• Was würde die Führungskraft konkret anders machen?
Die Gruppen können kleine Veränderungen erproben, beispielsweise:
• vom Anweisen zum Orientieren;
• vom bloßen Reagieren zum vorausschauenden Handeln;
• vom Kontrollieren zum Strukturgeben;
• vom ausführlichen Erklären zum Vereinfachen;
• vom Korrigieren zum bewussten Neuausrichten;
• vom ersten Sprechen zum aufmerksamen Zuhören.
Die Moderation ermutigt die Schulleitung, in Wahlmöglichkeiten und Anpassungen zu denken, anstatt das Führungsverhalten als Ausdruck eines unveränderlichen Persönlichkeitstyps zu betrachten. Darin liegt der innovative Kern der Methode: Führungskräfte üben, abhängig von der jeweiligen Situation bewusst zwischen verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten zu wechseln, anstatt sich auf einen gewohnten Führungsstil zu verlassen. Glassers Wahltheorie ist in diesem Zusammenhang besonders relevant, weil sie zielgerichtetes Verhalten und verantwortungsvolle Entscheidungen in den Mittelpunkt stellt.
Rundgang durch die Ideen und Auswahl
10 Minuten• am realistischsten;
• für die jeweilige Situation am hilfreichsten erscheint;
• sich am einfachsten erproben lässt;
• am ehesten geeignet ist, das Führungsklima zu verbessern.
Anschließend unterstützt die Moderation die Gruppe dabei, eine Veränderung auszuwählen, die zuerst erprobt werden soll.
Die ausgewählte Veränderung sollte klein, konkret und in einer gewöhnlichen Besprechung oder einer anderen schulischen Alltagssituation umsetzbar sein. Ist die Veränderung zu allgemein oder zu umfassend formuliert, besteht die Gefahr, dass sie nicht umgesetzt wird. Ziel ist es, einen konkreten nächsten Schritt festzulegen, den die Schulleitung zeitnah ausprobieren kann.
Umsetzung starten und nächste Schritte vereinbaren
5 Minuten• Wann wird die Veränderung erprobt?
• In welcher Besprechung oder in welcher Situation wird sie eingesetzt?
• Was wird die Führungskraft konkret anders machen?
• Woran lässt sich erkennen, ob die Veränderung hilfreich war?
• Wann wird die Gruppe die Erfahrungen erneut gemeinsam besprechen?
Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir nicht versucht, Ihren gesamten Führungsstil zu verändern. Wir haben eine konkrete Situation betrachtet, herausgearbeitet, was sie benötigt hat, und eine Veränderung entwickelt, die Sie beim nächsten Mal ausprobieren können. So zeigt sich Freiheit in der Führung: Sie können bewusst eine Reaktion wählen, die zur jeweiligen Situation passt.“
Wenn möglich, wird die vereinbarte Veränderung in den folgenden Wochen erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt kurz gemeinsam ausgewertet.
Reflexion & Tipps
Reflexion
Die Mitglieder der Schulleitung können individuell oder in einer kurzen Teamdiskussion über ihre Erfahrungen reflektieren.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Was hat diese Situation erfordert, dass eine Veränderung in der Führung notwendig wurde?
• Welcher Führungsansatz fühlte sich für Sie am natürlichsten an?
• Welche alternative Reaktion scheint jetzt am nützlichsten?
• Was bedeutet es, Führung anzupassen, anstatt festzuhalten?
Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• „Ich führe am besten, wenn …"
• „Diese Situation benötigte mehr …"
• „Mein nächster Führungsschritt wird …“
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.
Tipps zur Umsetzung
Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Atmosphäre praxisnah und wertfrei. Die Mitglieder der Schulleitung sind eher bereit, sich offen mit ihrem Führungsverhalten auseinanderzusetzen, wenn die Sitzung als Möglichkeit zur professionellen Weiterentwicklung und nicht als Bewertung verstanden wird.
Der Fokus sollte auf bewussten Entscheidungen, Flexibilität und dem Lernen aus realen Situationen liegen.
Worauf besonders zu achten ist
Reduzieren Sie die Methode nicht auf allgemeine Ratschläge für gute Führung. Die zentrale Neuerung besteht darin, dass Führungskräfte bewusst zwischen unterschiedlichen Reaktionsmöglichkeiten wechseln – je nachdem, was die jeweilige Situation erfordert.
Die in der Methode angeführten Quellen von OECD und Edutopia betonen gleichermaßen, dass adaptive Führung, gemeinschaftliche Entscheidungsfindung und die Fähigkeit, auf Unterbrechungen oder Veränderungen zu reagieren, wichtige Bestandteile wirksamer Schulleitung sind.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Konzentrieren Sie sich innerhalb von 20–30 Minuten auf eine einzige Situation und eine konkrete Idee zur Veränderung des Führungsverhaltens.
Erweiterte Version: Erproben Sie die vereinbarte Veränderung über einen Zeitraum von zwei Wochen. Treffen Sie sich anschließend erneut, um gemeinsam zu überprüfen, was sich verändert hat.
Querverweise zu anderen Übungen
• Entscheidungsfacilitation-Studio
• Leadership Backline Studio
• Vertrauen Sie Backline Studio
• Entscheidungsraum-Studio