Studio für Fairness-Perspektiven
Die Schulleitung wählt einen verbindlichen Standard aus, bei dem Fairness eine besondere Rolle spielt. Sie untersucht, an welchen Stellen Fairness unklar oder uneinheitlich erlebt wird, und entwickelt einen transparenten Unterstützungsablauf für die Zeit vor, während und nach der Aufgabe. Die Methode macht aus Fairness als allgemeinem Wert eine konkrete und sichtbare Praxis der Schulleitung.
Ziel
Diese Methode stärkt das Erleben von Zugehörigkeit (Belonging) innerhalb der Schulleitung, indem sie Fairness konkret, gemeinsam und vertrauenswürdig gestaltet. Sie unterstützt Führungskräfte dabei zu erkennen, dass „alle fair zu behandeln“ dann Wirklichkeit wird, wenn Kriterien, Rollen und Unterstützungsangebote transparent und einheitlich sind. Zugehörigkeit wächst, wenn Menschen Verlässlichkeit, Respekt und gemeinsame Verantwortung erleben.
Einsatz und Lernergebnisse
- Unterstützt die Schulleitung dabei, zu erkennen, in welchen Situationen Fairness besonders herausfordernd ist.
- Macht unklare oder uneinheitliche Behandlung sichtbar.
- Ermutigt Führungskräfte, für eine konkrete Herausforderung einen klaren Ablauf zur Sicherstellung von Fairness zu entwickeln.
- Fördert die gemeinsame Verantwortung für faire Entscheidungen und deren konsequente Umsetzung.
- Stärkt das Zugehörigkeitsgefühl durch eine transparente und verlässliche Führungspraxis
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
Benötigt wird ein Besprechungsraum oder Arbeitsbereich der Schulleitung, in dem das Leitungsteam in Kleingruppen zusammensitzen und sich bei Bedarf kurz im Raum bewegen kann. Ein Flipchart oder Whiteboard ist hilfreich, um mögliche Risiken für Fairness zu erfassen und das abschließende Protokoll zu dokumentieren. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
15 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie einen erforderlichen Standard aus, der Fairnessfragen aufwirft, z. B. Aufgabenverteilung, Feedback, Konsequenzen, Stundenplanänderungen, Zugang zu Unterstützung oder Kommunikation.
• Bereiten Sie eine Momentaufnahme zur Fairness für die individuelle Reflexion vor
• Drucken Sie die Landkarte zur Fairness für die gemeinsame Entwicklung in Kleingruppen aus.
• Drucken Sie ein Protokoll zur Fairness für die abschließende verbindliche Vereinbarung aus.
• Bereiten Sie Moderationskarten bzw. Haftnotizen, Stifte und Klebepunkte vor.
• Vereinbaren Sie nach Möglichkeit bereits einen Termin zur gemeinsamen Reflexion der Erprobung.
Prinzipien für den Erfolg
• Schaffen Sie eine praxisnahe Atmosphäre, in der sich niemand rechtfertigen oder verteidigen muss.
• Konzentrieren Sie sich auf Systeme und Routinen, nicht auf persönliche Schuldzuweisungen.
• Bearbeiten Sie einen einzigen Standard und nicht die gesamte Arbeitsbelastung der Schulleitung.
• Machen Sie Fairnesskriterien sichtbar und leicht erklärbar.
• Beenden Sie die Sitzung mit einem klar definierten Pilotversuch und einem Termin für die Überprüfung.
Materialien
• Ausgedruckte Momentaufnahme zur Fairness
• Ausgedruckte Landkarte zur Fairness
• Ausgedrucktes Protokoll zur Fairness
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard
Ablauf
Einführung
5 MinutenMögliche Einführung:
„Jede Schule möchte Menschen fair behandeln. Unter Zeitdruck kann jedoch unklar werden, was Fairness konkret bedeutet. Heute beschäftigen wir uns mit einem verbindlichen Standard, untersuchen, wo Fairness schwierig umzusetzen ist, und entwickeln einen Ablauf, durch den faire Behandlung besser erkennbar und vertrauenswürdiger wird.“
Die Moderation erklärt, dass das Team zunächst individuell reflektiert, anschließend gemeinsame Muster erfasst und schließlich ein Protokoll zur Fairness entwickelt, das erprobt werden soll.
Momentaufnahme zur Fairness
10 MinutenMögliche Leitfragen:
Bei welchem verbindlichen Standard spielt Fairness derzeit eine besonders große Rolle?
• Was macht diesen Standard fair oder unfair?
• Wo ist Fairness bereits sichtbar?
• In welchen Situationen erlebe ich Unsicherheit, Spannungen oder Uneinheitlichkeit?
• Welche Art von Unterstützung würde es einfacher machen, Fairness aufrechtzuerhalten?
Ziel ist es, die Herausforderungen im Zusammenhang mit Fairness konkret zu benennen, damit sie gezielt angegangen werden können.
Muster sichtbar machen
10 Minuten• klare Kriterien
• Einheitlichkeit und Konsequenz
• Transparenz
• Geschwindigkeit der Reaktion
• praktische Unterstützung
• Kommunikation
• konsequente Umsetzung
• Überprüfung und Korrektur
Anschließend identifiziert die Gruppe gemeinsam:
einen Standard, bei dem der größte Druck entsteht, Fairness sicherzustellen;
einen Bereich, in dem Fairness bereits gut funktioniert;
• ein fehlendes Unterstützungselement, das die Situation am stärksten verbessern würde.
Dieser Schritt hilft dem Team, von individuellen Eindrücken zu einem gemeinsamen Verständnis davon zu gelangen, was Fairness innerhalb der Führungskultur bedeutet.
Einen Ablauf zur Sicherstellung von Fairness entwickeln
15 MinutenIhre Aufgabe ist es, für den ausgewählten Standard einen konkreten Unterstützungsweg zu entwickeln. Dieser soll drei Fragen beantworten:
• Welche Unterstützung wird benötigt, bevor die Aufgabe beginnt?
• Welche Unterstützung wird während der Aufgabe benötigt?
• Welche Unterstützung wird benötigt, nachdem die Aufgabe abgeschlossen ist?
Dies ist der zentrale innovative Ansatz der Methode: Die Schulleitung spricht nicht nur allgemein über Fairness, sondern entwickelt ein konkretes System zur Sicherstellung von Fairness für eine reale Herausforderung in der Führungsarbeit.
Der Unterstützungsweg sollte einfach, kostengünstig und realistisch umsetzbar sein. Er kann beispielsweise folgende Elemente enthalten:
• Eine kurze Überprüfung der Fairness, bevor gehandelt wird
• Ein klares Kriterium für die Entscheidung
• Eine nachvollziehbare Möglichkeit, die Entscheidung anderen zu erklären
• Eine namentlich benannte Person, die den Prozess unterstützt
• eine kurze gemeinsame Nachbesprechung im Anschluss;
• eine kurze Nachfrage am folgenden Tag, um zu prüfen, ob weitere Unterstützung benötigt wird.
Das Team legt außerdem fest, wer für die einzelnen Bestandteile verantwortlich ist. Ziel ist verlässliche Fairness und keine zusätzliche Bürokratie.
Szenario erproben und Unterstützungsweg auswählen
10 Minuten• am nützlichsten ist;
• am realistischsten;
• sich am einfachsten in einer gewöhnlichen Schulwoche umsetzen lässt;
• das Vertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl am ehesten stärkt.
Anschließend führt die Gruppe eine kurze Erprobung anhand eines Szenarios durch: Sie testet das Protokoll anhand einer realistischen Herausforderung aus der Führungsarbeit und überprüft, ob sich der Ablauf in der Praxis umsetzen lässt.
Die Moderation unterstützt die Gruppe anschließend dabei, einen Ablauf zur Sicherstellung von Fairness auszuwählen, der zuerst erprobt werden soll.
Ist eine Teamleitung oder ein Mitglied der Schulleitung anwesend, nimmt diese Person unmittelbar Stellung zu folgenden Fragen:
• Welche Unterstützung kann sie zusagen?
• Was wird sie konkret tun?
• Welche Punkte müssen vor der Umsetzung noch geklärt werden?
• Welche Schritte können zeitnah beginnen?
Diese Antwort ist wichtig, denn Zugehörigkeit wächst, wenn Fairness nicht nur diskutiert, sondern sichtbar bekräftigt wird.
Umsetzung starten und nächste Schritte vereinbaren
5 Minuten• Wer wird den Ablauf erproben?
• Wann beginnt die Erprobung?
• Wie lange wird sie durchgeführt?
• Woran erkennen wir, dass der Dialogpfad zu einer Verbesserung beigetragen hat?
• Wann wird die Gruppe die Erfahrungen erneut gemeinsam überprüfen?
Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir Fairness in einen praktischen Ablauf übersetzt. Es geht nicht darum, jede schwierige Entscheidung zu vermeiden, sondern sicherzustellen, dass Menschen nachvollziehen können, wie Fairness gewährleistet wird. Zugehörigkeit wächst, wenn Fairness klar, gemeinsam getragen und verlässlich ist.“
Wenn möglich, wird die Vereinbarung in den folgenden Wochen erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgegriffen.
Reflexion & Tipps
Reflexion
Die Mitglieder der Schulleitung können individuell oder in einer kurzen Teamdiskussion über ihre Erfahrungen reflektieren.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Wann fühlt sich Fairness in unserer Führung am sichtbarsten an?
• Was lässt Fairness zuverlässig und nicht zufällig erscheinen?
• Welcher Teil der Fairnessroute würde in der realen Arbeit am meisten helfen?
• Was sollten wir beibehalten, was verändern und was als Nächstes ausprobieren?
Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• Ich fühle mich fair behandelt, wenn…
• Fairness wird sichtbar, wenn…
• Unsere nächste Fairnessroute wird…
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.
Tipps zur Umsetzung
Förderung des Lernprozesses
Sorgen Sie für eine praxisorientierte und nicht wertende Atmosphäre. Schulleitungen sind eher bereit, sich zu öffnen, wenn die Sitzung als Gestaltungsaufgabe und nicht als Beschwerderunde angelegt ist. Der Fokus sollte auf einem konkreten Problem im Zusammenhang mit Fairness und einem verlässlichen Ablauf zu dessen Bearbeitung liegen.
Worauf besonders zu achten ist
Vermeiden Sie, dass sich die Diskussion zu einer allgemeinen Kritik an der Schulleitung entwickelt. Die Methode funktioniert am besten, wenn eine konkrete Herausforderung im Zusammenhang mit Fairness identifiziert, die bestehende Unterstützung erfasst und ein tatsächlich anwendbarer Ablauf entwickelt wird.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie ausschließlich die Momentaufnahme zur Fairness und entwickeln Sie einen einzigen Ablauf zur Sicherstellung von Fairness.
Erweiterte Version: Erproben Sie die Vereinbarung über einen Zeitraum von zwei Wochen. Treffen Sie sich anschließend erneut, um gemeinsam zu überprüfen, was gut funktioniert hat und was angepasst werden muss.
Querverweise zu anderen Übungen
• Entscheidungsraum-Studio
• Standards Unterstützungsnetz
• Leadership Backline Studio
• Fairness-Spiegel-Labor