Kompass für schulische Herausforderungen
Die Schülerinnen und Schüler wählen eine konkrete schulische Anforderung aus, die sie als schwierig erleben. Sie untersuchen, welche Faktoren den Umgang damit erleichtern oder erschweren, und entwickeln eine praktische Unterstützung, die ihnen hilft, besser damit umzugehen. Die Methode verwandelt das Gefühl, dass „alles zu viel wird“, in einen klaren Plan: Welche Anforderung steht im Mittelpunkt? Was hilft bereits? Welche Unterstützung wird benötigt? Was kann als Nächstes ausprobiert werden?
Ziel
Diese Methode stärkt das Grundbedürfnis nach Sicherheit, indem sie schulische Anforderungen sichtbarer, vorhersehbarer und besser bewältigbar macht. In Glassers Modell gehört das Gefühl von Sicherheit zum Grundbedürfnis Überleben. Die Aktivität unterstützt dieses Bedürfnis, indem Schülerinnen und Schüler lernen, Belastungen frühzeitig zu erkennen und einen konkreten Bewältigungsplan zu entwickeln, den sie tatsächlich im Alltag nutzen können. Die von der OECD und der Education Endowment Foundation (EEF) veröffentlichten Quellen zum Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern und zur schulischen Unterstützung unterstreichen den Wert strukturierter und unterstützender Ansätze für Jugendliche.
Einsatz und Lernergebnisse
- Die Methode: hilft Schülerinnen und Schülern zu erkennen, wann schulische Anforderungen besonders schwierig werden;
- macht Belastungspunkte und bereits vorhandene Bewältigungsstrategien sichtbar;
- ermutigt Schülerinnen und Schüler, rechtzeitig Unterstützung einzufordern, bevor sie sich überfordert fühlen;
- unterstützt sie dabei, eine realistische und konkrete Bewältigungshilfe zu entwickeln;
- stärkt das Gefühl, schulische Anforderungen Schritt für Schritt bewältigen zu können.
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
Benötigt wird ein Klassenraum, der Platz für Einzelarbeit, Gespräche zu zweit und einen kurzen Austausch in der Gruppe bietet. Eine Tafel oder ein Flipchart ist hilfreich, um Belastungspunkte und ausgewählte Unterstützungsmaßnahmen zu sammeln. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
15 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie eine realistische schulische Anforderung aus, die für Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren relevant ist, beispielsweise Prüfungen, Abgabetermine, mündliche Aufgaben oder Präsentationsdruck.
• Drucken Sie das Arbeitsblatt „Kompass für schulische Herausforderungen“, die „Pufferkarte“ und die „Vereinbarung zum Umgang mit Herausforderungen“ aus.
• Bereiten Sie Haftnotizen, Stifte, Marker und eine Tafel oder ein Flipchart vor.
• Entscheiden Sie, ob die Klasse eine gemeinsame Unterstützungsmaßnahme oder mehrere individuelle Maßnahmen erproben soll.
• Stellen Sie sicher, dass die Lehrkraft weiß, welche Unterstützung angeboten wird, wenn Schülerinnen und Schüler das vereinbarte Signal verwenden.
Prinzipien für den Erfolg
• Gestalten Sie die Aktivität praxisnah, ruhig und wertfrei.
• Konzentrieren Sie sich auf eine konkrete Anforderung, anstatt den gesamten schulischen Stress gleichzeitig zu behandeln.
• Entwickeln Sie eine Bewältigungsstrategie, die konkret ist und im Schulalltag tatsächlich eingesetzt werden kann.
• Behandeln Sie die Schülerinnen und Schüler als kompetente Mitgestaltende ihrer eigenen Bewältigungsstrategien.
• Beenden Sie die Aktivität mit einem kleinen Erprobungsschritt, der unmittelbar umgesetzt werden kann.
Materialien
• Ausgedrucktes Arbeitsblatt „Kompass für schulische Herausforderungen“
• Ausgedruckte „Pufferkarte“
• Ausgedruckte „Vereinbarung zum Umgang mit Herausforderungen“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard
Ablauf
Einführung
5 MinutenMögliche Einführung:
„Jede und jeder von euch kennt Situationen, in denen die Schule besonders anstrengend ist – eine Prüfung, ein Abgabetermin, eine Präsentation oder zu viele Aufgaben auf einmal. Entscheidend ist nicht, ob es Druck gibt, sondern was uns hilft, damit umzugehen. Heute schauen wir uns eine konkrete Anforderung an, untersuchen, was sie leichter oder schwieriger macht, und entwickeln eine Unterstützung, die uns hilft, sie besser zu bewältigen.“
Die Moderation erklärt, dass die Klasse zunächst individuell reflektiert, anschließend gemeinsame Muster vergleicht und schließlich eine Bewältigungsstrategie auswählt, die erprobt werden soll.
Anforderungen überprüfen
10 MinutenMögliche Leitfragen:
• Welche schulische Anforderung fühlt sich für mich gerade am schwierigsten an?
• Wann nimmt der Druck am schnellsten zu?
• Was macht die Situation normalerweise schwieriger?
• Was hilft mir bereits, besser damit umzugehen?
• Was würde diese Anforderung leichter handhabbar machen?
Die Schülerinnen und Schüler sollen eine konkrete Anforderung auswählen und nicht nur eine allgemeine Vorstellung von Stress beschreiben. Ziel ist es, die Belastung genauer zu benennen und sichtbar zu machen, damit gezielt daran gearbeitet werden kann, anstatt sie lediglich als unangenehmes Gefühl wahrzunehmen.
Belastungen sichtbar machen
10 Minuten• Zeitdruck
• unklare Erwartungen
• Angst vor Misserfolg
• zu viele Aufgaben
• Stress bei mündlichen Leistungen
• Mangel an Vorbereitungszeit
• hilfreiche Routinen
• Unterstützung durch Lehrkräfte oder Mitschülerinnen und Mitschüler
Die Klasse identifiziert:
• eine Forderung, die den meisten Druck verursacht
• eine Bewältigungsstrategie, die bereits gut funktioniert
• ein Faktor, der die Situation schwieriger macht, als sie sein müsste
Dieser Schritt hilft den Schülerinnen und Schülern zu erkennen, dass Belastungen häufig durch bestimmte Muster und Rahmenbedingungen beeinflusst werden und nicht einfach auf persönliche Schwächen zurückzuführen sind.
Puffer-Werkstatt
15 MinutenJede Gruppe entwickelt eine kleine Unterstützungsmaßnahme für die ausgewählte Anforderung. Diese soll den Druck vor, während oder nach der betreffenden Aufgabe verringern. Sie muss realistisch, kostengünstig und innerhalb der üblichen schulischen Abläufe umsetzbar sein.
Die Gruppe bespricht folgende Fragen:
• Was genau macht diese Anforderung schwierig?
• Welche kleine Veränderung würde am meisten helfen?
• Was können wir selbst tun, und wobei benötigen wir Unterstützung durch die Lehrkraft?
• Was ist die einfachste Variante, die wir zuerst ausprobieren können?
Die Lehrkraft unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, konkrete und praktikable Maßnahmen zu entwickeln. Beispiele sind eine klarere Planung, kurze Gesprächs- oder Rückmeldemomente, strukturierte Vorbereitungsschritte oder eine kurze Erholungsroutine nach einer belastenden Aufgabe
Die Besonderheit dieser Methode liegt darin, eine konkrete schulische Anforderung mit einer praktischen Unterstützung zu verbinden, die von den Schülerinnen und Schülern selbst mitentwickelt wird.
Rundgang durch die Ideen und Auswahl
10 Minuten• am nützlichsten ist;
• am realistischsten;
• sich am einfachsten im normalen Schulalltag einsetzen lässt;
• am besten dabei hilft, mit Druck umzugehen.
Anschließend unterstützt die Lehrkraft die Klasse dabei, eine Maßnahme auszuwählen, die zuerst erprobt werden soll. Verwendet die Klasse bereits ein vereinbartes Unterstützungssignal oder eine bestimmte Routine, wird diese an dieser Stelle bestätigt oder angepasst.
Wenn eine Lehrkraft oder eine Tutorin bzw. ein Tutor beteiligt ist, soll diese Person klar sagen, welche Unterstützung sie anbieten kann und wann die vereinbarte Maßnahme eingesetzt wird.
Dieser Schritt stellt sicher, dass die Aktivität mit einer Entscheidung endet und nicht lediglich eine Liste von Ideen hervorbringt.
Umsetzung starten und nächste Schritte vereinbaren
5 Minuten• Wer wird die Maßnahme nutzen?
• Wann beginnt die Erprobung?
• Wie lange soll sie dauern?
• Woran erkennen wir, dass sie erfolgreich ist?
• Wann überprüfen wir gemeinsam, wie sie funktioniert hat?
Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir nicht versucht, sämtlichen Druck zu beseitigen. Wir haben eine konkrete Anforderung ausgewählt, eine Unterstützung entwickelt und einen kleinen Schritt vereinbart, der den Schulalltag besser bewältigbar machen kann. Mit Herausforderungen umzugehen wird leichter, wenn wir wissen, was auf uns zukommt und was wir als Nächstes tun können.“
Wenn möglich, wird die Maßnahme in den nächsten Unterrichtsstunden erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam überprüft.
Reflexion & Tipps
Reflexion
Die Schülerinnen und Schüler können individuell oder in einer kurzen Diskussion mit der gesamten Klasse über ihre Erfahrungen nachdenken.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Was hat dazu beigetragen, dass die Anforderung heute besser bewältigbar erschien?
• Welche Unterstützungsmaßnahme würde dir im echten Schulalltag am meisten helfen?
• Was erleichtert es dir, mit Druck umzugehen, wenn er zunimmt?
• Was sollten wir beibehalten, was verändern und was als Nächstes ausprobieren?
Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• „Ich kann besser mit Herausforderungen umgehen, wenn …“
• „Diese Anforderung fällt mir leichter, wenn …“
• Unser nächster Puffer wird …
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.
Tipps zur Umsetzung
Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Atmosphäre ruhig und konkret. Schülerinnen und Schüler öffnen sich eher, wenn die Aufgabe als gemeinsame Gestaltungsaufgabe und nicht als Belastungstest verstanden wird. Die Lehrkraft sollte ihnen helfen, sich auf eine einzige Anforderung und eine konkrete Unterstützungsmaßnahme zu konzentrieren.
Worauf besonders zu achten ist
Vermeiden Sie, dass sich das Gespräch zu einer allgemeinen Beschwerderunde über schulischen Druck entwickelt. Die Methode funktioniert am besten, wenn die Schülerinnen und Schüler eine klar umrissene Anforderung auswählen und einen Bewältigungsplan entwickeln, der sich realistisch umsetzen lässt.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie nur das Arbeitsblatt „Kompass für schulische Herausforderungen“ und wählen Sie anschließend gemeinsam eine Unterstützungsmaßnahme aus.
Erweiterte Version: Erproben Sie die Maßnahme zwei Wochen lang. Überprüfen Sie danach gemeinsam, wie gut sie funktioniert hat, und passen Sie die Routine bei Bedarf an.
Querverweise zu anderen Übungen
• Studio für gegenseitige Unterstützung (Support Net Studio)
• Feedback-Stärken-Profil (Feedback-to-Strength Profile)
• Feedback-Verbesserungslabor (Feedback Upgrade Lab)
• Motivations-Quest-Labor (Motivation Quest Lab)