Klassenvereinbarung (zu Regeln)
Eine gemeinschaftliche Unterrichtsaktivität, bei der die Schülerinnen und Schüler im Kreis sitzen und gemeinsam Vereinbarungen darüber erarbeiten, wie die Klasse miteinander umgehen möchte. Anstatt die Regeln von den Lehrkräften vorgeben zu lassen, diskutieren die Schülerinnen und Schüler gemeinsam und entscheiden, was ihnen hilft, sich sicher, respektiert und einbezogen zu fühlen, und was geschehen soll, wenn eine dieser Vereinbarungen gebrochen wird. Das Ergebnis wird als unterschriebenes Klassenplakat ausgehängt, das in regelmäßigen Abständen erneut besprochen wird.
Ziel
Ein Gefühl der Verantwortung und Sicherheit zu schaffen, indem die Schülerinnen und Schüler direkt in die Definition der Regeln einbezogen werden, die ihren gemeinsamen Lernraum betreffen, anstatt die Regeln von außen auferlegt zu bekommen.
Einsatz und Lernergebnisse
- ● Fördert das Verantwortungsbewusstsein für die Unterrichtsregeln, indem die Schüler und Schülerinnen die Vereinbarungen selbst erstellen, anstatt sie fertig vorgegeben zu bekommen.
- ● Stärkt die psychologische Sicherheit, indem explizit in den eigenen Worten der Schülerinnen und Schüler festgehalten wird, was ihnen hilft, sich sicher und einbezogen zu fühlen.
- ● Entwickelt demokratische und kollaborative Fähigkeiten durch strukturierte Gruppendiskussionen und Konsensbildung.
- ● Schafft gemeinsame Verantwortung, indem im Voraus vereinbart wird, was passieren soll, wenn eine Vereinbarung gebrochen wird.
- ● Bietet einen lebendigen Bezugspunkt, zu dem die Klasse zurückkehren und den sie überarbeiten kann, während die Gruppe sich weiterentwickelt.
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
● Ein Raum, in dem die Schülerinnen und Schüler im Kreis sitzen und sich gegenseitig ansehen können (Stühle oder Sitzkissen auf dem Boden).
● Ein Plakat, ein großes Blatt Papier oder ein Whiteboard zur Aufzeichnung der vereinbarten Punkte.
● Keine speziellen technischen, Audio- oder Video-Tools erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
30 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben zur Vorbereitung:
● Den Raum anordnen: Stühle oder Sitzgelegenheiten im Kreis aufstellen, damit jede/r Schüler und Schülerin sehen und gesehen werden kann.
● Das Plakat vorbereiten: Ein großes Blatt Papier, Marker und Stifte für Unterschriften bereithalten.
● Die Fragen formulieren: Die drei Leitfragen im Voraus vorbereiten, damit die Diskussion fokussiert bleibt.
Welche Prinzipien müssen beachtet werden, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen?
● Echte Mitgestaltung, kein Abnicken: Die Vereinbarungen müssen aus den eigenen Worten der Schülerinnen und Schüler stammen; die Lehrkraft moderiert, anstatt den Inhalt vorzugeben.
● Jede Stimme zählt: Ruhige Schülerinnen und Schüler aktiv einladen, sich zu beteiligen, damit die Vereinbarung die Meinung der gesamte Klasse widerspiegelt und nicht nur die der lautesten Stimmen.
● Kurz und konkret halten: Auf eine kurze, einprägsame Liste abzielen, anstatt eine ausufernde Menge an Regeln zu erstellen.
Materialien
Großes Plakat (oder Flipchart-Papier)
Bunte Marker
Moderationskarten oder Post-it-Notizen,
Punktaufkleber für die Abstimmung
Ein "besonderer" Stift für Unterschriften
Ablauf
Bedarfsermittlung (Die Bewertung)
15 MinDie Schülerinnen und Schüler arbeiten in kleinen Gruppen (2–3 Personen). Ihre Aufgabe ist es, Antworten auf zwei zentrale Fragen auf Post-its zu brainstormen (eine Idee pro Notiz).
Fokusfragen: Was brauche ich in diesem Unterricht, um mich sicher und wohl zu fühlen? Was brauche ich, um effektiv lernen zu können? (z.B. "Ruhezeit während der Einzelarbeit", "niemand wird ausgelacht").
Clustering & Sortierung (Themen identifizieren)
15 MinAlle Post-it-Zettel werden auf das Whiteboard geklebt. Die Lehrkraft gruppiert gemeinsam mit zwei Schülermoderatorinnen und -moderatoren identische oder ähnliche Zettel.
Kategorien entstehen ganz natürlich (z.B. "Wie wir miteinander umgehen", "Lautstärke", "Umgang mit Materialien"). Überschriften werden gemeinsam für jeden Cluster gewählt.
Von Wünschen zu Regeln
20 MinKleine Gruppen übernehmen jeweils einen spezifischen Cluster und verwandeln die Punkte in 1–2 klare Regeln.
Die Goldene Regel für das Formulieren von Regeln: Formuliere sie positiv!
Vermeiden Sie "Nicht"- oder "Nein"-Aussagen. Anstatt "Nicht im Unterricht rufen", lieber formulieren: "Wir lassen uns gegenseitig ausreden und heben die Hände". Positive Formulierungen lenken das Gehirn auf die gewünschte Handlung.
Demokratische Abstimmung
15 MinDie Entwürfe der Gruppen werden an der Tafel zusammengetragen. Jede Regel wird kurz zur Diskussion gestellt: Ist sie realistisch? Verstehen alle, was sie bedeutet?
Jeder Schüler und jede Schülerin erhält drei Punkt-Aufkleber und stimmt über die Regeln ab, die er für am wichtigsten hält.
Die 4–5 Regeln mit den meisten Stimmen fließen in die endgültige Vereinbarung ein.
Weniger Regeln bedeuten höhere Einhaltung!
Die feierliche Unterzeichnung (Ratifizierung)
10 MinutenDie Regeln mit den meisten Punkten werden in großen Buchstaben sauber auf das vorbereitete Plakat in der Klasse übertragen.
In einem festlichen Rahmen unterzeichnen alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkraft die Vereinbarung. Das Plakat wird an gut sichtbarer Stelle im Klassenzimmer aufgehängt.
Erläutern Sie als Lehrkraft kurz, welche Maßnahmen ergriffen werden, wenn jemand gegen die Regeln verstößt (mit Schwerpunkt auf Wiedergutmachung und Ausgleich statt auf reiner Bestrafung).
Reflexion & Tipps
Reflexion
Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass du direkt dazu beigetragen hast, diese Regeln zu gestalten?
Ist es einfacher, Richtlinien zu folgen, wenn du den tieferen Zweck dahinter verstehst?
Tipps zur Umsetzung
● Überprüfen, nicht nur anzeigen: Überprüfen Sie das Poster alle paar Wochen kurz — ein vergessenes Poster verliert seine Bedeutung.
● Die Vereinbarungen selbst vorleben: Die Lehrkraft soll sichtbar dieselben Vereinbarungen befolgen, um zu unterstreichen, dass diese für alle im Raum gelten.
● Gestalten Sie das Gespräch über die Konsequenzen konstruktiv: Legen Sie bei der Frage „Was passiert, wenn eine Vereinbarung nicht eingehalten wird?“ den Schwerpunkt auf Wiedergutmachung und Lernen, nicht auf Bestrafung.