Das Unterstützungsnetz: Gemeinsam durch schwierige Schulsituationen

Die Schülerinnen und Schüler halten fest, in welchen Situationen ihnen schulische Leistungen schwerfallen. Sie erkennen, welche Unterstützung durch Lehrkräfte ihnen hilft, sich weiterhin als Teil der Klassengemeinschaft zu fühlen, und entwickeln gemeinsam ein einfaches Unterstützungsnetz mit einem klaren Signal, einer vereinbarten Reaktion und einem Schritt, der ihnen hilft, wieder ins Lernen einzusteigen. Die Methode macht aus Schwierigkeiten eine gemeinsame Routine im Klassenzimmer, anstatt sie als persönliches Versagen zu behandeln. Sie knüpft an das Bedürfnis nach Zugehörigkeit aus der Selbstbestimmungstheorie an. Forschungsergebnisse zeigen ebenfalls, dass die Unterstützung durch Lehrkräfte und ein unterstützendes Klassenklima Zugehörigkeit, Wohlbefinden und Lernbereitschaft stärken.

✍️ Klaus Linde-Leimer
⏱️ Dauer 1 Schultag
🔄 Häufigkeit Einmal im Monat
👥 Zielgruppe Schülerinnen und Schüler
🎯

Ziel

Diese Methode stärkt das Zugehörigkeitsgefühl der Schülerinnen und Schüler. Sie vermittelt, dass schwächere schulische Leistungen nicht bedeuten, dass jemand nicht mehr zur Klassengemeinschaft gehört. Die Schülerinnen und Schüler erleben Unterstützung durch Lehrkräfte als sichtbar, respektvoll und verlässlich – besonders dann, wenn ihnen etwas schwerfällt. Ziel ist eine Klassengemeinschaft, in der sie frühzeitig um Hilfe bitten, nach Rückschlägen ohne Scham wieder einsteigen und mit Zuversicht weiterlernen können.

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Einsatz und Lernergebnisse

  • Die Methode: hilft Schülerinnen und Schülern zu erkennen, in welchen Situationen ihnen schulische Leistungen schwerfallen;
  • macht Unterstützungsbedürfnisse und hilfreiche Reaktionen der Lehrkräfte sichtbar;
  • ermutigt sie, ohne Scham um Hilfe zu bitten;
  • fördert eine gemeinsame Klassenroutine für den Umgang mit Rückschlägen;
  • stärkt das Zugehörigkeitsgefühl, indem Unterstützung verlässlich und sicher gestaltet wird.
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WELL³-Bezug

Grundbedürfnis

❤️ Zugehörigkeit

Qualitätsdimensionen

Unterrichtsgestaltung Leistungskultur
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Details & Vorbereitung

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Raumanforderungen

Benötigt wird ein Klassenraum mit ausreichend Platz für Gespräche zu zweit, Diskussionen in Kleingruppen und eine kurze gemeinsame Reflexion. Eine Tafel oder ein Flipchart ist hilfreich, um Ideen zu sammeln. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.

⏳

Zeit für die Vorbereitung

15 Minuten

📝

Vorbereitung

Aufgaben vor der Durchführung:
• Die Klassenlehrkraft bereitet eine kurze Erklärung der Aktivität vor und stellt klar, dass es um Unterstützung und nicht um Beurteilung geht.
• Drucken Sie die Arbeitsmaterialien „Landkarte des Unterstützungsnetzes“, „Karte für das Unterstützungssignal“ und „Vereinbarung zum Unterstützungsnetz“ aus.
• Bereiten Sie Haftnotizen, Stifte, Marker und eine Tafel oder ein Flipchart vor.
• Überlegen Sie, ob nach der Einheit ein vereinbartes Unterstützungssignal einer Schülerin oder eines Schülers erprobt werden soll.
• Stellen Sie sicher, dass die Lehrkraft während der gesamten Aktivität anwesend ist und unterstützend reagieren kann.

Prinzipien für den Erfolg
• Schaffen Sie eine sichere Atmosphäre, in der niemand verurteilt oder abgewertet wird.
• Konzentrieren Sie sich auf konkrete Situationen und Unterstützungsbedürfnisse, nicht auf vermeintliche persönliche Schwächen.
• Gestalten Sie die Methode so einfach, dass sie im normalen Schulalltag erprobt werden kann.
• Machen Sie das Unterstützungssystem sichtbar und leicht nutzbar.
• Beenden Sie die Einheit mit einer gemeinsam vereinbarten Klassenroutine, die sofort ausprobiert werden kann.

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Materialien

• Ausgedruckte „Landkarte des Unterstützungsnetzes“
• Ausgedruckte „Karte für das Unterstützungssignal“
• Ausgedruckte „Vereinbarung zum Unterstützungsnetz“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard

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Ablauf

1

Einführung

⏱ 5 Minuten
Die Moderation erklärt, dass Schwierigkeiten bei schulischen Leistungen ganz normal sind und nicht bedeuten, dass jemand damit allein ist. Die Klasse erfährt, dass sie heute gemeinsam ein Unterstützungsnetz für Situationen entwickeln wird, in denen schulische Aufgaben schwierig werden.

Mögliche Einführung:
„Jede und jeder von uns erlebt Momente, in denen Schularbeiten zu schwierig, zu schnell oder einfach zu viel werden. Entscheidend ist nicht, solche Momente zu verbergen, sondern zu wissen, welche Unterstützung uns hilft, weiterhin dazuzugehören und dranzubleiben. Heute überlegen wir gemeinsam, welche Unterstützung sich sicher und hilfreich anfühlt, warum es manchmal schwer ist, um Hilfe zu bitten, und wie wir ein Unterstützungsnetz gestalten können, das in unserer Klasse funktioniert.“

Die Moderation erklärt, dass die Aktivität von einer persönlichen Reflexion über gemeinsame Erfahrungen zu einer Vereinbarung über die Unterstützung in der Klasse führt.

Die Lehrkraft stellt ausdrücklich klar, dass es nicht darum geht, Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten bloßzustellen. Ziel ist vielmehr, eine Klassengemeinschaft zu schaffen, in der Unterstützung selbstverständlich und sicher ist.
2

Landkarte des Unterstützungsnetzes

⏱ 10 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler erhalten die „Landkarte des Unterstützungsnetzes“ und füllen sie in Ruhe einzeln aus.

Mögliche Leitfragen:

• In welchen Situationen fällt mir das Erbringen schulischer Leistungen schwer?
• Was brauche ich normalerweise in solchen Momenten?
• Welche Unterstützung durch die Lehrkraft hilft mir am meisten?
• Was macht es mir schwer, um Hilfe zu bitten?
• Was hilft mir, mich weiterhin als Teil der Klassengemeinschaft zu fühlen, auch wenn mir etwas nicht gelingt?

Die Schülerinnen und Schüler schreiben kurze, ehrliche Antworten auf. Sie sollen sich auf tatsächliche Schulsituationen beziehen und nicht nur über allgemeine oder theoretische Vorstellungen nachdenken.

Dieser Schritt hilft ihnen, ihre eigenen Unterstützungsbedürfnisse zunächst selbst wahrzunehmen, bevor sie ihre Erfahrungen mit anderen teilen.
3

Gemeinsame Muster erkennen

⏱ 10 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler teilen ausgewählte Gedanken aus ihren Landkarten zu zweit oder in Kleingruppen. Die Lehrkraft sammelt wichtige Begriffe auf einer Tafel oder einem Flipchart und ordnet sie Themenbereichen zu, beispielsweise:

• Angst, sich zu blamieren
• unklare Erwartungen
• zu hohes Arbeitstempo
• zu viele Aufgaben auf einmal
• hilfreiche Formulierungen der Lehrkraft
• kurze, unaufdringliche Gespräche zur Unterstützung
• nach einem Fehler wieder den Anschluss finden

Anschließend identifiziert die Klasse gemeinsam:

• eine Situation, in der Unterstützung besonders wichtig ist;
• eine Form der Unterstützung, die bereits gut funktioniert;
• ein Hindernis, das es erschwert, um Hilfe zu bitten.

Dieser Schritt macht die Unterstützungsbedürfnisse sichtbar und hilft der Gruppe zu erkennen, dass viele Schülerinnen und Schüler ähnliche Schwierigkeiten erleben.
4

Labor für Signal und Reaktion

⏱ 15 Minuten
Die Kleingruppen arbeiten nun mit der „Karte für das Unterstützungssignal“. Ihre Aufgabe ist es, ein einfaches Unterstützungssystem für die Klasse zu entwickeln, das möglichst wenig Überwindung kostet.

Jede Gruppe entwickelt:

• ein Signal, mit dem eine Schülerin oder ein Schüler Unterstützung anfordern kann;
• eine Reaktion der Lehrkraft, die sich sicher und respektvoll anfühlt;
• einen nächsten Schritt, der dabei hilft, wieder ins Lernen einzusteigen.

Das Signal sollte einfach und unauffällig sein, beispielsweise eine Geste, eine Karte, eine Notiz, ein Aufkleber oder eine kurze Formulierung. Die Reaktion der Lehrkraft sollte ruhig und vorhersehbar sein. Der vereinbarte nächste Schritt soll es erleichtern, ohne Scham weiterzulernen.

Die Lehrkraft begleitet die Gruppen und achtet darauf, dass die Vorschläge im normalen Schulalltag tatsächlich umsetzbar sind.

Dieser Schritt ist das innovative Element der Methode: Die Schülerinnen und Schüler sprechen nicht nur darüber, welche Unterstützung sie benötigen. Sie gestalten das Unterstützungssystem selbst.
5

Rundgang durch die Ideen und Auswahl

⏱ 10 Minuten
Jede Gruppe stellt ihre Idee für ein Unterstützungssystem kurz vor. Die Klasse hört zu und platziert Klebepunkte neben jenen Vorschlägen, die sie für besonders geeignet hält:

• besonders hilfreich;
• am realistischsten;
• im normalen Unterricht am einfachsten anzuwenden;
• im normalen Unterricht am einfachsten anzuwenden;

Anschließend unterstützt die Lehrkraft die Klasse dabei, ein Unterstützungsnetz auszuwählen, das zuerst erprobt werden soll.

Wenn mehrere Ideen überzeugend sind, kann die Klasse sie zu einer gemeinsamen, einfachen Unterstützungsroutine verbinden.

Ist die Lehrkraft während der Aktivität in die Arbeit der Klasse eingebunden, sollte sie bestätigen, welche Bestandteile sofort umgesetzt werden können und wie sie reagieren wird, wenn eine Schülerin oder ein Schüler das vereinbarte Signal verwendet.

Dieser Schritt stellt sicher, dass die Methode mit einer konkreten Entscheidung endet und nicht nur bei einer Diskussion bleibt.
6

Vereinbarung zum Unterstützungsnetz und nächster Schritt

⏱ 5 Minuten
Die Klasse füllt gemeinsam die „Vereinbarung zum Unterstützungsnetz“ aus.

Dabei wird festgelegt:

• Was können Schülerinnen und Schüler tun, wenn sie Hilfe benötigen?
• Wie werden die Lehrkräfte darauf reagieren?
• Wie stellt die Klasse sicher, dass alle respektvoll miteinander umgehen?
• Wann wird überprüft, ob das Unterstützungsnetz funktioniert?

Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir ein Unterstützungsnetz für jene Momente entwickelt, in denen Schularbeiten schwierig werden. Es geht nicht darum, immer perfekte Leistungen zu erbringen. Wir wollen eine Klassengemeinschaft schaffen, in der Unterstützung selbstverständlich, sicher und sichtbar ist. Wenn sich Schülerinnen und Schüler auch in schwierigen Momenten unterstützt fühlen, wird Zugehörigkeit tatsächlich erlebbar.“

Wenn möglich, wird das Unterstützungsnetz in den folgenden Unterrichtsstunden erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam überprüft.
💭

Reflexion & Tipps

Reflexion

Die Schülerinnen und Schüler können individuell oder in einer kurzen Diskussion mit der gesamten Klasse über ihre Erfahrungen nachdenken.

Mögliche Reflexionsfragen:
• In welchem Moment war Unterstützung besonders hilfreich?
• Was hat es leichter gemacht, ohne Scham um Hilfe zu bitten?
• Welcher Teil des Unterstützungsnetzes wäre im tatsächlichen Unterricht am hilfreichsten?
• Was bedeutet es, dazuzugehören, auch wenn die eigene Leistung gerade nicht besonders gut ist?

Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:

• „Ich fühle mich unterstützt, wenn …“
• „Es fällt mir schwer, um Hilfe zu bitten, wenn …“
• „Unser Unterstützungsnetz funktioniert am besten, wenn …“

Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.

Tipps zur Umsetzung

Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Aktivität ruhig, respektvoll und praxisnah. Schülerinnen und Schüler öffnen sich eher, wenn sie wissen, dass es um Unterstützung und nicht darum geht, sie bloßzustellen. Die Lehrkraft sollte eine unterstützende Sprache vorleben und auf die erste Verwendung des vereinbarten Unterstützungssignals positiv und unaufdringlich reagieren.

Worauf besonders zu achten ist
Die Methode funktioniert am besten, wenn das Unterstützungssignal einfach anzuwenden ist und die Reaktion der Lehrkraft verlässlich erfolgt. Ist das Signal zu kompliziert oder bleibt unklar, wie die Lehrkraft reagieren wird, verlieren die Schülerinnen und Schüler das Vertrauen in das System.

Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie nur die „Landkarte des Unterstützungsnetzes“ und vereinbaren Sie ein gemeinsames Unterstützungssignal für die Klasse.
Erweiterte Version: Erproben Sie das Unterstützungsnetz zwei Wochen lang. Besprechen Sie anschließend mit den Schülerinnen und Schülern, wie gut die vereinbarte Routine funktioniert, und verbessern Sie sie bei Bedarf.

Querverweise zu anderen Übungen
• Fehlermarkt – Fehler als Lernchance nutzen (Failure Market — Trading Mistakes for Learning Power)
• Das Unterstützungsnetz kann mit dem Stärken-Spiegel-Labor (Strengths Mirror Lab) kombiniert werden, wenn ein umfassenderes Modul zur Leistungskultur gestaltet werden soll.
• Motivations-Quest-Labor (Motivation Quest Lab)
• Navigationslabor für Arbeitsbelastung (Workload Navigator Lab)