Rückhalt im Führungsteam gestalten
Die Schulleitung wählt einen verbindlichen Standard aus, dessen Erfüllung als besonders anspruchsvoll erlebt wird. Sie untersucht, an welchen Stellen Unterstützung benötigt wird, und entwickelt einen klaren Unterstützungsweg, der vor, während und nach der jeweiligen Herausforderung greift. Die Methode macht aus der Erfüllung von Standards, die häufig als individuelle Belastung erlebt wird, eine gemeinsame Verantwortung der Führung. Sie sorgt dafür, dass Rückhalt sichtbar, praktisch umsetzbar und verlässlich wird.
Ziel
Diese Methode stärkt das Grundbedürfnis Zugehörigkeit innerhalb der Schulleitung, indem sie die Unterstützung durch das Team konkret und verlässlich gestaltet. Sie hilft Führungskräften zu erkennen, dass sie für die Erfüllung verbindlicher Standards nicht allein verantwortlich sind, sondern diese durch klare Rollen, gemeinsam vereinbarte Routinen und verlässlichen Rückhalt bewältigen können. Im Modell von William Glasser wächst das Gefühl der Zugehörigkeit, wenn Menschen sich verbunden und unterstützt fühlen. Erkenntnisse aus OECD-Studien und der internationalen TALIS-Erhebung unterstreichen, dass kollegiale Zusammenarbeit, psychologische Sicherheit und tragfähige Beziehungen für das Wohlbefinden und eine wirksame Führung wichtig sind.
Einsatz und Lernergebnisse
- Die Methode: unterstützt die Schulleitung dabei, jene verbindlichen Standards zu erkennen, deren Erfüllung als besonders anspruchsvoll erlebt wird;
- macht sichtbar, welcher Rückhalt bereits vorhanden ist und wo Unterstützung fehlt;
- regt Führungskräfte dazu an, konkrete Unterstützungswege für anspruchsvolle Aufgaben zu entwickeln;
- fördert ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung innerhalb des Leitungsteams;
- stärkt das Zugehörigkeitsgefühl durch sichtbaren und verlässlichen Rückhalt im Team.
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
Benötigt wird ein Besprechungsraum oder ein Arbeitsbereich der Schulleitung, in dem das Leitungsteam in kleinen Gruppen zusammensitzen und sich bei Bedarf kurz im Raum bewegen kann. Ein Flipchart oder Whiteboard ist hilfreich, um den Unterstützungsbedarf zu visualisieren und die abschließende Vereinbarung zu dokumentieren. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
15 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie einen verbindlichen Standard aus, der für die Schulleitung relevant ist. Beispiele sind Kinderschutz, Personalplanung, Stundenpläne, Kommunikation, Qualitätssicherung oder Fristen für Leistungsbeurteilungen.
• Bereiten Sie ein einfaches Arbeitsblatt zur Bestandsaufnahme des jeweiligen Standards für die individuelle Reflexion vor..
• Drucken Sie die Arbeitsblätter „Landkarte für verlässlichen Rückhalt“ für die gemeinsame Entwicklung eines Unterstützungswegs aus.
• Drucken Sie die „Vereinbarung für verlässliche Unterstützung“ für die abschließende verbindliche Festlegung aus.
• Bereiten Sie Moderationskarten bzw. Haftnotizen, Stifte und Klebepunkte vor.
• Vereinbaren Sie nach Möglichkeit bereits einen Termin zur gemeinsamen Reflexion der Erprobung.
Prinzipien für den Erfolg
• Schaffen Sie eine praxisnahe Atmosphäre, in der sich niemand rechtfertigen oder verteidigen muss.
• Richten Sie den Blick auf Strukturen und Routinen, nicht auf vermeintliche persönliche Schwächen.
• Bearbeiten Sie einen einzigen Standard und nicht die gesamte Arbeitsbelastung der Schulleitung.
• Gestalten Sie die Unterstützung so, dass sie leicht aktiviert werden kann und für alle Beteiligten verständlich ist.
• Beenden Sie die Sitzung mit einem klar definierten Pilotversuch und einem Termin für die Überprüfung.
Materialien
• Ausgedrucktes Arbeitsblatt zur Bestandsaufnahme eines Standards
• Ausgedruckte „Landkarte für verlässlichen Rückhalt“
• Ausgedruckte „Vereinbarung für verlässliche Unterstützung“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard
Ablauf
Einführung
5 MinutenMögliche Einführung:
„Jedes Leitungsteam steht vor anspruchsvollen Anforderungen: Kinderschutz, Personalplanung, Stundenpläne, Qualitätssicherung, Kommunikation oder Rechenschaftspflichten. Diese Anforderungen sind wichtig. Sie lassen sich jedoch leichter erfüllen, wenn Unterstützung sichtbar und verlässlich ist. Heute betrachten wir einen konkreten Standard, stellen fest, wo Rückhalt benötigt wird, und entwickeln einen Unterstützungsweg, der dazu beiträgt, die gemeinsame Aufgabe besser zu bewältigen.“
Die Moderation erklärt, dass die Teilnehmenden zunächst individuell reflektieren, anschließend gemeinsame Muster sichtbar machen und schließlich eine konkrete Vereinbarung für gegenseitige Unterstützung entwickeln, die sie erproben können. Ist eine weitere Führungskraft anwesend, wird sie in den Prozess einbezogen. Sie trägt dazu bei, die Ergebnisse konkret und umsetzbar zu gestalten.
Bestandsaufnahme eines Standard
10 MinutenMögliche Leitfragen:
• Welcher verbindliche Standard ist für mich derzeit besonders anspruchsvoll?
• Was macht es leichter oder schwieriger, diesen Standard zu erfüllen?
• Wo erhalte ich bereits Unterstützung?
• In welchen Bereichen fühle ich mich mit der Verantwortung allein?
• Welche Art von Rückhalt durch das Team wäre für mich besonders hilfreich?
Ziel ist es, die Belastung möglichst konkret zu beschreiben, damit sie gezielt angegangen werden kann. Jede Person sollte eine reale, aktuelle und klar umrissene Herausforderung auswählen, die mit der Erfüllung eines bestimmten Standards zusammenhängt.
Muster sichtbar machen
10 Minuten• Klarheit der Erwartungen
• Geschwindigkeit der Reaktion
• praktische Unterstützung
• emotionale Rückversicherung
• Verbindlichkeit und Nachverfolgung durch die Schulleitung
• Vertraulichkeit
• Übergabe von Entscheidungen und Aufgaben
• Überprüfung und Nachbesprechung
Anschließend identifiziert die Gruppe gemeinsam:
• ein Standard, der den stärksten Druck erzeugt
• einen Bereich, in dem gegenseitige Unterstützung bereits gut funktioniert;
• ein fehlendes Unterstützungselement, das die Situation am stärksten verbessern würde.
Dieser Schritt hilft dem Team, von individuellen Erfahrungen zu einem gemeinsamen Verständnis davon zu gelangen, was verlässlicher Rückhalt innerhalb der Führungskultur bedeutet. OECD-Forschung bringt das Wohlbefinden von Lehrkräften und Führungskräften mit unterstützenden Beziehungen und einer gesunden Schulkultur in Verbindung. Deshalb ist es wichtig, Unterstützung nicht nur anzubieten, sondern sie auch sichtbar und konkret zu gestalten.
Einen verlässlichen Unterstützungsweg entwickeln
15 MinutenIhre Aufgabe ist es, für den ausgewählten Standard einen konkreten Unterstützungsweg zu entwickeln. Dieser soll drei Fragen beantworten:
• Welche Unterstützung wird benötigt, bevor die Aufgabe beginnt?
• Welche Unterstützung wird während der Aufgabe benötigt?
• Welche Unterstützung wird benötigt, nachdem die Aufgabe abgeschlossen ist?
Hier liegt die zentrale Neuerung der Methode: Die Schulleitung spricht nicht nur allgemein über Vertrauen, sondern entwickelt ein konkretes Unterstützungssystem für eine reale Herausforderung aus dem Führungsalltag.
Der Unterstützungsweg sollte einfach, kostengünstig und realistisch umsetzbar sein. Er kann beispielsweise folgende Elemente enthalten:
• eine kurze Vorabstimmung mit einer Kollegin oder einem Kollegen;
• ein klares Signal, mit dem Unterstützungsbedarf angezeigt wird;
• eine festgelegte Person, die bei Bedarf einspringt;t
• eine kurze gemeinsame Nachbesprechung im Anschluss;
• eine gemeinsam vereinbarte Formulierung, mit der Rückhalt signalisiert wird;
• eine kurze Nachfrage am folgenden Tag, um zu prüfen, ob weitere Unterstützung benötigt wird.
Das Team legt außerdem fest, wer für die einzelnen Schritte verantwortlich ist. Ziel ist ein verlässlicher Rückhalt, nicht die Schaffung zusätzlicher Bürokratie.
Szenario erproben und Unterstützungsweg auswählen
10 Minuten• am nützlichsten ist;
• am realistischsten;
• sich am einfachsten in einer gewöhnlichen Schulwoche umsetzen lässt;
• das Vertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl am ehesten stärkt.
Anschließend führt die Gruppe eine kurze Szenario-Übung durch. Sie prüft den entwickelten Unterstützungsweg anhand einer realistischen Herausforderung aus dem Führungsalltag und untersucht, ob er sich in der Praxis tatsächlich bewährt. Diese praktische Erprobung verleiht der Methode einen konkreten Anwendungsbezug. Gleichzeitig können Schwachstellen erkannt und behoben werden, bevor der Unterstützungsweg im Alltag eingesetzt wird.
Die Moderation unterstützt die Gruppe anschließend dabei, einen Unterstützungsweg auszuwählen, der zuerst erprobt werden soll.
Ist eine Teamleitung oder ein Mitglied der Schulleitung anwesend, nimmt diese Person unmittelbar Stellung zu folgenden Fragen:
• Welche Unterstützung kann sie zusagen?
• Was wird sie konkret tun?
• Welche Punkte müssen vor der Umsetzung noch geklärt werden?
• Welche Schritte können zeitnah beginnen?
Diese Rückmeldung ist wichtig, weil Zugehörigkeit nicht allein dadurch entsteht, dass über Unterstützung gesprochen wird. Sie wächst auch dann, wenn Unterstützung sichtbar zugesagt und tatsächlich geleistet wird. Forschungsarbeiten zur Führung und Empfehlungen zur Zusammenarbeit von Lehrkräften unterstreichen den Wert verlässlicher kollegialer Unterstützung und der konsequenten Umsetzung gemeinsamer Vereinbarungen.
Umsetzung starten und nächste Schritte vereinbaren
5 Minuten• Wer wird den Ablauf erproben?
• Wann beginnt die Erprobung?
• Wie lange wird sie durchgeführt?
• Woran erkennen wir, dass der Dialogpfad zu einer Verbesserung beigetragen hat?
• Wann wird die Gruppe die Erfahrungen erneut gemeinsam überprüfen?
Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir aus gegenseitiger Unterstützung einen konkreten Weg für die Praxis entwickelt. Es geht nicht darum, jede Herausforderung aus der Welt zu schaffen. Es geht darum sicherzustellen, dass niemand verbindliche Anforderungen allein bewältigen muss. Zugehörigkeit wächst, wenn Rückhalt klar vereinbart, gemeinsam getragen und verlässlich geleistet wird.“
Wenn möglich, wird die Vereinbarung in den folgenden Wochen erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgegriffen.
Reflexion & Tipps
Reflexion
Die Mitglieder der Schulleitung können individuell oder in einer kurzen Teamdiskussion über ihre Erfahrungen reflektieren.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Wann fühle ich mich von meinem Team besonders gut unterstützt?
• Was macht Unterstützung zuverlässig und nicht zufällig?
• Welcher Bestandteil des Unterstützungsablaufs wäre bei der tatsächlichen Arbeit am hilfreichsten?
• Was sollten wir beibehalten, was verändern und was als Nächstes ausprobieren?
Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• „Ich fühle mich unterstützt, wenn …“
• Ich spüre Rückhalt, wenn …
• Unser nächster Unterstützungsablauf wird …
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.
Tipps zur Umsetzung
Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Atmosphäre praxisnah und wertfrei. Schulleitungen öffnen sich eher für die gemeinsame Arbeit, wenn die Sitzung als Gestaltungsaufgabe und nicht als Beschwerderunde verstanden wird.
Der Fokus sollte auf einem einzigen anspruchsvollen Standard und einem verlässlichen Unterstützungsweg liegen.
Worauf besonders zu achten ist
Achten Sie darauf, dass sich die Diskussion nicht zu einer allgemeinen Kritik an der Schulleitung entwickelt. Die Methode funktioniert am besten, wenn sie einen konkreten Belastungspunkt identifiziert, die bereits vorhandene Unterstützung sichtbar macht und einen Unterstützungsweg entwickelt, der im Alltag tatsächlich genutzt werden kann.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie ausschließlich das Arbeitsblatt zur Bestandsaufnahme eines Standards und entwickeln Sie daraus einen einzigen Unterstützungsweg.
Erweiterte Version: Erproben Sie die Vereinbarung über einen Zeitraum von zwei Wochen. Treffen Sie sich anschließend erneut, um gemeinsam zu überprüfen, was gut funktioniert hat und was angepasst werden muss.
Querverweise zu anderen Übungen
• Entscheidungsraum-Studio
• Lehrer-Design-Jury
• Standards Unterstützungsnetz
• Fairness-Spiegel-Labor