Aus Feedback wird Fortschritt

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit einer konkreten Rückmeldung ihrer Lehrkraft zu einer kürzlich erledigten Aufgabe. Sie untersuchen, was ihnen diese Rückmeldung über ihre Arbeit zeigt, und entscheiden, in welchem Bereich sie sich persönlich weiterentwickeln möchten. Anschließend erstellen sie einen eigenen „Weiterentwicklungsplan“, in dem sie festlegen, wie sie das Feedback bei einer zukünftigen Aufgabe nutzen wollen. Die Methode macht aus Feedback eine Grundlage für bewusste Entscheidungen, selbstbestimmtes Lernen und persönliche Weiterentwicklung – statt es lediglich als Korrektur zu verstehen.

✍️ Klaus Linde-Leimer
⏱️ Dauer 1 Schulstunde
🔄 Häufigkeit Einmal im Monat
👥 Zielgruppe Schülerinnen und Schüler
🎯

Ziel

Diese Methode stärkt das Grundbedürfnis Freiheit, indem sie Schülerinnen und Schüler dabei unterstützt, Feedback als Grundlage für selbst gewählte Entwicklungsschritte zu nutzen. In William Glassers Modell bedeutet Freiheit, Wahlmöglichkeiten zu haben und das eigene Handeln selbst zu bestimmen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Rückmeldungen ihrer Lehrkräfte kritisch zu interpretieren, selbst zu entscheiden, woran sie arbeiten möchten, und einen realistischen nächsten Schritt auszuwählen, der zu ihrer persönlichen Lernweise und ihren Zielen passt.

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Einsatz und Lernergebnisse

  • Die Methode: hilft Schülerinnen und Schülern, Rückmeldungen ihrer Lehrkräfte als nützliche Informationen zu verstehen;
  • ermutigt sie, selbstständig Entscheidungen über ihre Weiterentwicklung zu treffen;
  • unterstützt sie dabei, realistische und selbstbestimmte Ziele zu setzen;
  • fördert die Eigenverantwortung für das eigene Lernen und die Weiterentwicklung schulischer Leistungen;
  • stärkt die Motivation, indem sie Feedback mit persönlicher Freiheit und eigenständigem Handeln verbindet.
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WELL³-Bezug

Grundbedürfnis

🕊️ Freiheit

Qualitätsdimensionen

Leistungskultur
📋

Details & Vorbereitung

🏫

Raumanforderungen

Benötigt wird ein Klassenraum mit ausreichend Platz für Einzelarbeit, Gespräche zu zweit und einen kurzen Austausch in Kleingruppen. Eine Tafel oder ein Flipchart ist hilfreich, um wiederkehrende Themen und Ideen zur Weiterentwicklung zu sammeln. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.

⏳

Zeit für die Vorbereitung

15 Minuten

📝

Vorbereitung

Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie eine kürzlich bearbeitete Aufgabe, Präsentation oder schriftliche Arbeit aus, zu der eine konkrete Rückmeldung der Lehrkraft vorliegt.
• Bitte die Schüler, ihr Feedback mitzubringen, oder bereite im Voraus kurze Feedback-Ausschnitte vor.
• Drucken Sie den „Feedback-Erntebogen“, den „Entscheidungskompass“ und den „Weiterentwicklungsplan“ aus.
• Bereiten Sie Stifte, Marker, Haftnotizen und eine Tafel oder ein Flipchart vor.
• Entscheiden Sie, ob die Schülerinnen und Schüler ihren fertigen Weiterentwicklungsplan in einer Mappe, einem Notizbuch oder einem digitalen Portfolio aufbewahren sollen.

Prinzipien für den Erfolg
• Verwenden Sie echtes und aktuelles Feedback.
• Stellen Sie die persönliche Entscheidungsfreiheit in den Mittelpunkt, nicht die bloße Erfüllung von Vorgaben.
• Ermutigen Sie die Schülerinnen und Schüler, Feedback kritisch und konstruktiv zu interpretieren.
• Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, ihre Rückmeldungen mitzubringen, oder bereiten Sie vorab kurze Auszüge aus Feedbacks vor.
• Beenden Sie die Aktivität mit einem konkreten nächsten Schritt, den die Schülerinnen und Schüler selbst gewählt haben.

🧰

Materialien

• Ausgedruckter „Feedback-Erntebogen“
• Ausgedruckter „Entscheidungskompass“
• Ausgedruckter „Weiterentwicklungsplan“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Flipchart oder Whiteboard

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Ablauf

1

Einführung

⏱ 5 Minuten
Die Moderation führt in die Idee ein, dass Feedback nicht nur etwas ist, das Schülerinnen und Schüler erhalten. Sie können es auch nutzen, um fundierte Entscheidungen über ihre eigene Weiterentwicklung zu treffen. Im Mittelpunkt stehen Selbstständigkeit, die Fähigkeit, das eigene Lernen zu steuern, und die Weiterentwicklung schulischer Leistungen.
Mögliche Einführung:
„Rückmeldungen von Lehrkräften werden häufig als Korrektur verstanden. Sie können aber auch helfen, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie zeigen euch, was bereits gut funktioniert, was ihr verbessern könnt und welche Richtung für euren nächsten Schritt sinnvoll ist. Heute machen wir aus Feedback einen Weiterentwicklungsprozess: Ihr entscheidet selbst, was ihr beibehalten, was ihr verbessern und wie ihr dabei vorgehen möchtet.“
Die Moderation erklärt, dass die Einheit mit dem Sammeln und Verstehen von Feedback beginnt. Anschließend treffen die Schülerinnen und Schüler eigene Entscheidungen und entwickeln daraus einen persönlichen Weiterentwicklungsplan.
2

Feedback auswerten

⏱ 10 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler erhalten den „Feedback-Erntebogen“ und arbeiten individuell mit einer aktuellen Rückmeldung ihrer Lehrkraft.
Sie untersuchen:
• Was hat die Lehrkraft als Stärke oder gelungenen Aspekt meiner Arbeit hervorgehoben?
• Was sollte ich laut Rückmeldung verbessern?
• Welcher Teil des Feedbacks erscheint mir besonders hilfreich?
• Was sagt die Rückmeldung über meine bisherige Leistung aus?
Die Moderation bittet die Schülerinnen und Schüler, tatsächlich erhaltenes Feedback zu verwenden, beispielsweise zu einem Aufsatz, einer Präsentation, einer Prüfung, einem Projekt oder einem mündlichen Beitrag im Unterricht.
Ziel ist es, die Rückmeldung sichtbar und nutzbar zu machen, anstatt sie nur einmal zu lesen und anschließend wieder beiseitezulegen.
3

Den Entscheidungskompass nutzen

⏱ 10 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler ordnen ihre Rückmeldungen mithilfe des „Entscheidungskompasses“.
Sie entscheiden, welcher der folgenden Kategorien die einzelnen Feedbackpunkte zuzuordnen sind:
• Beibehalten und darauf aufbauen: Was gelingt mir bereits und sollte ich weiter nutzen?
• Als Nächstes verbessern: Woran möchte ich bei meiner nächsten Aufgabe arbeiten?n
• Nachfragen oder klären: Was verstehe ich noch nicht oder möchte ich genauer besprechen?
• Für meinen nächsten Schritt nicht relevant: Was ist für meine derzeitige Weiterentwicklung nicht vorrangig?
Dieser Schritt bildet den Kern der Methode, weil die Schülerinnen und Schüler selbst für die Interpretation der Rückmeldung verantwortlich sind. Die Moderation regt sie an, über folgende Fragen nachzudenken:
• Woran möchte ich zuerst arbeiten?
• Was ist für meine eigene Entwicklung am wichtigsten?
• Was ist für mich im Moment realistisch?
So wird Feedback zu einer Möglichkeit, selbstbestimmt zu handeln, anstatt Korrekturen lediglich passiv entgegenzunehmen.
4

Den Weiterentwicklungsplan gestalten

⏱ 15 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler verwenden den „Weiterentwicklungsplan“, um eine konkrete Richtung für ihre persönliche Entwicklung festzulegen.
Sie wählen:
• einen Bereich, auf den sie sich konzentrieren möchten;
• eine Strategie, die sie ausprobieren wollen;
• eine Situation, in der sie diese Strategie anwenden werden;
• eine Form der Unterstützung, die sie möglicherweise benötigen;
• ein konkretes Anzeichen, an dem sie erkennen können, ob die Weiterentwicklung erfolgreich war.
Die Moderation betont, dass der Plan selbst gewählt, realistisch und konkret sein soll.
Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht versuchen, alles gleichzeitig zu verbessern. Ziel ist eine bedeutsame Veränderung, die zu ihrer persönlichen Lernweise und zur nächsten anstehenden Aufgabe passt. Dieser Schritt macht die Methode besonders wirkungsvoll: Aus einer allgemeinen Aufforderung wie „Mach es beim nächsten Mal besser“ wird ein selbstbestimmter und konkreter Plan zur Weiterentwicklung.
5

Stärken gemeinsam überprüfen

⏱ 10 Minuten
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten zu zweit.
Jede Person stellt ihren gewählten Weiterentwicklungsschritt vor und erklärt:
• warum sie sich dafür entschieden hat;
• wie dieser Schritt mit der erhaltenen Rückmeldung zusammenhängt;
• warum er für die nächste Aufgabe wichtig ist.
Die Partnerin oder der Partner reagiert mit kurzen, konstruktiven Fragen, beispielsweise:
• Passt dieser Entwicklungsschritt tatsächlich zur Rückmeldung?
• Ist er für die nächste Aufgabe realistisch?
• Welche Entscheidung gibt dir dabei den größten eigenen Handlungsspielraum?
• Woran wirst du erkennen, dass dir der Schritt geholfen hat?
Ziel ist nicht, den Plan zu beurteilen, sondern der anderen Person dabei zu helfen, ihn zu präzisieren und weiterzuentwickeln.
6

Abschluss und nächster Schritt

⏱ 5 Minuten
Die Moderation fasst die zentrale Idee zusammen: Feedback entfaltet seine größte Wirkung, wenn Schülerinnen und Schüler daraus eine eigene Entscheidung ableiten und entsprechend ihren persönlichen Zielen handeln können.
Möglicher Abschluss:
„Heute habt ihr aus Feedback einen eigenen Weiterentwicklungsplan gemacht. Ihr habt euch angesehen, was die Rückmeldungen eurer Lehrkräfte tatsächlich bedeuten, entschieden, woran ihr arbeiten möchtet, und selbst gewählt, wie ihr euch verbessern wollt. Genau das bedeutet Freiheit beim Lernen: Möglichkeiten verstehen und den eigenen nächsten Schritt bestimmen.“
Wenn möglich, bewahren die Schülerinnen und Schüler ihren Weiterentwicklungsplan auf und greifen nach der nächsten Aufgabe wieder darauf zurück.
💭

Reflexion & Tipps

Reflexion

Die Schülerinnen und Schüler können individuell oder in einer kurzen Diskussion mit der gesamten Klasse über ihre Erfahrungen nachdenken.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Welcher Teil des Feedbacks gab dir die klarste Richtung?
• Was hat dazu geführt, dass sich deine Entscheidung für die Weiterentwicklung wie deine eigene angefühlt hat?
• Hast du etwas Neues darüber herausgefunden, wie du am besten lernst?
• Was hilft dir dabei, Feedback in konkrete Handlungen umzusetzen, anstatt es nur zu lesen?

Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• „Mein gewählter Entwicklungsschritt ist …“
• „Ich habe mich dafür entschieden, weil …“
• „Bei meiner nächsten Aufgabe werde ich …“
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Die Moderation liest anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.

Tipps zur Umsetzung

Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Aktivität altersgerecht, konzentriert und praxisnah. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren reagieren gut, wenn man ihnen zutraut, Rückmeldungen selbst zu interpretieren und daraus eigene Entscheidungen abzuleiten.

Worauf besonders zu achten ist
Vermeiden Sie, dass sich die Aktivität wie eine Kontrolle oder die Durchsetzung von Vorgaben anfühlt. Das Grundbedürfnis Freiheit steht im Mittelpunkt: Die Schülerinnen und Schüler sollen erleben, dass sie ihren nächsten Entwicklungsschritt selbst wählen können und nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt werden.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie ausschließlich den „Feedback-Erntebogen“ und schließen Sie mit einem kurzen Austausch zu zweit ab.
Erweiterte Version: Wiederholen Sie die Methode anhand mehrerer Aufgaben. So können die Schülerinnen und Schüler nach und nach ein kleines Portfolio ihrer persönlichen Weiterentwicklungspläne aufbauen.

Querverweise zu anderen Übungen
• Feedback-Stärken-Profil (Feedback-to-Strength Profile)
• Stärken-Spiegel-Studio (Strengths Mirror Studio)
• Navigationslabor für Arbeitsbelastung (Workload Navigator Lab)
• Motivations-Quest-Labor (Motivation Quest Lab)