Stärken durch Feedback erkennen und nutzen
Die Schülerinnen und Schüler analysieren eine aktuelle Rückmeldung ihrer Lehrkraft zu einer tatsächlich erledigten Aufgabe. Sie erkennen, welche Stärken sich darin zeigen, und erstellen daraus ein persönliches Stärkenprofil. Anschließend wählen sie eine Stärke aus, die sie bei ihrer nächsten schulischen Leistungsaufgabe bewusster einsetzen möchten. Die Methode hilft ihnen, Feedback als Beleg für ihre Fähigkeiten zu verstehen und nicht nur als Hinweis auf notwendige Verbesserungen.
Ziel
Diese Methode stärkt das Grundbedürfnis nach Wirksamkeit und Kompetenz, indem sie Schülerinnen und Schüler dabei unterstützt, ihre Stärken anhand von Rückmeldungen der Lehrkräfte zu erkennen und gezielt einzusetzen. Im Modell von William Glasser steht dieses Grundbedürfnis mit Kompetenz, Leistungserfolgen und Selbstwertgefühl in Verbindung. Die Methode hilft den Schülerinnen und Schülern zu verstehen, was ihnen bereits gut gelingt, wie Feedback ihre Weiterentwicklung unterstützen kann und wie sie eine erkannte Stärke bei zukünftigen Aufgaben einsetzen können.
Einsatz und Lernergebnisse
- Die Methode: hilft Schülerinnen und Schülern, Stärken zu erkennen, die sich in den Rückmeldungen ihrer Lehrkräfte zeigen;
- macht Feedback konkreter, verständlicher und hilfreicher;
- ermutigt sie, Rückmeldungen kritisch und konstruktiv zu interpretieren;
- unterstützt sie dabei, ihre Stärken mit zukünftigen schulischen Leistungen zu verbinden;
- stärkt Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Eigenverantwortung für das eigene Lernen.
WELL³-Bezug
Details & Vorbereitung
Raumanforderungen
Benötigt wird ein Klassenraum mit ausreichend Platz für Einzelarbeit, Gespräche zu zweit und einen kurzen Austausch mit der gesamten Klasse. Eine Tafel oder ein Flipchart ist hilfreich, um Begriffe für Stärken und Ideen zur Übertragung auf zukünftige Aufgaben zu sammeln. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.
Zeit für die Vorbereitung
15 Minuten
Vorbereitung
Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie eine kürzlich bearbeitete Aufgabe, Präsentation oder schriftliche Arbeit aus, zu der eine Rückmeldung der Lehrkraft vorliegt.
• Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, ihre eigenen Rückmeldungen mitzubringen, oder bereiten Sie kurze Auszüge aus Feedbacks für die Einheit vor.
• Drucken Sie den „Feedback-Erntebogen“, das „Stärkenprofil“ und das „Arbeitsblatt: Von der Stärke zur Handlung“ aus.
• Bereiten Sie Stifte, Marker, Haftnotizen und eine Tafel oder ein Flipchart vor.
• Entscheiden Sie, ob die Schülerinnen und Schüler ihr fertiges Stärkenprofil in einer Mappe, einem Notizbuch oder einem digitalen Portfolio aufbewahren sollen.
Prinzipien für den Erfolg
• Arbeiten Sie mit echten und aktuellen Rückmeldungen.
• Richten Sie den Blick zunächst auf die Stärken und anschließend auf die nächsten Entwicklungsschritte.
• Gestalten Sie die Atmosphäre ernsthaft, respektvoll und an den Schülerinnen und Schülern orientiert.
• Fördern Sie evidenzbasiertes Denken, nicht nur Lob.
• Beenden Sie die Einheit mit einem konkreten Vorhaben, bei dem eine erkannte Stärke bei der nächsten schulischen Leistungsaufgabe eingesetzt wird.
Materialien
• Ausgedruckter „Feedback-Erntebogen“
• Ausgedrucktes „Stärkenprofil“
• Ausgedrucktes „Arbeitsblatt: Von der Stärke zur Handlung“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Flipchart oder Whiteboard
Ablauf
Einführung
5 MinutenMögliche Einführung:
„Feedback wird oft als Korrektur verstanden. Es kann aber auch zeigen, was ihr bereits gut könnt. Heute nutzen wir Rückmeldungen eurer Lehrkräfte, um eure Stärken zu erkennen, zu verstehen, warum sie wichtig sind, und eine davon zu einem konkreten Vorteil für eure nächste Aufgabe zu machen. Es geht nicht darum, Komplimente zu sammeln, sondern Rückmeldungen genauer zu verstehen und aktiver zu nutzen.“
Die Moderation erklärt, dass die Einheit mit einer individuellen Reflexion beginnt. Anschließend interpretieren die Schülerinnen und Schüler ihre Rückmeldungen gemeinsam mit einer Partnerin oder einem Partner und entwickeln zum Abschluss einen persönlichen Plan, um eine erkannte Stärke bei einer zukünftigen Aufgabe einzusetzen.
Feedback auswerten
10 MinutenSie betrachten eine aktuelle Rückmeldung ihrer Lehrkraft und halten fest:
• Was hat die Lehrkraft als gut gelungen hervorgehoben?
• Auf welche Fähigkeit, Eigenschaft oder Gewohnheit weist diese Rückmeldung hin?
• Was hat dazu beigetragen, dass die Leistung gelungen ist?
• Welcher Teil der Rückmeldung erscheint mir für zukünftige Aufgaben besonders hilfreich?
Die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst eine tatsächlich erhaltene Rückmeldung verwenden, anstatt sich nur allgemein an frühere Situationen zu erinnern. Bei Bedarf können sie einen Kommentar aus einer schriftlichen Arbeit, einer Lernplattform oder einer mündlichen Rückmeldung auswählen.
Ziel ist es, die konkreten Belege sichtbar zu machen, auf denen die Rückmeldung beruht.
Stärken herausarbeiten
10 MinutenSie halten fest:
• welche Stärke sie erkannt haben;
• welche Belege aus dem Feedback diese Stärke bestätigen;
• bei welcher Aufgabe oder in welcher Situation die Stärke sichtbar wurde;
• wobei ihnen diese Stärke hilft, gute Leistungen zu erbringen.
Die Moderation ermutigt die Schülerinnen und Schüler, ihre Stärken möglichst präzise zu beschreiben. Sie sollten vage Formulierungen vermeiden und stattdessen klar benennen, worin ihre Stärke besteht und wie sie sich bei einer konkreten Leistung zeigt.
Dieser Schritt hilft ihnen, von der allgemeinen Feststellung „Die Lehrkraft hat etwas Positives gesagt“ zu einer konkreten Erkenntnis zu gelangen: „Das ist eine Stärke, die ich benennen und verstehen kann.“
Stärken gemeinsam überprüfen
15 MinutenJede Person stellt eine Stärke aus ihrem Profil vor und erklärt, welche Elemente der Rückmeldung diese Interpretation stützen. Die Partnerin oder der Partner stellt dazu Fragen wie:
• Welcher Teil der Rückmeldung ist der überzeugendste Beleg für diese Stärke?
• Bei welchen Aufgaben wird diese Stärke sichtbar?
• Wie gut lässt sich diese Interpretation durch die Rückmeldung begründen?
• Wie könnte dir diese Stärke bei einer zukünftigen Aufgabe helfen?
Das Gespräch soll stärker analytisch als emotional ausgerichtet sein. Ältere Schülerinnen und Schüler reagieren in der Regel gut darauf, wenn sie ihre Interpretation einer Rückmeldung begründen und mit konkreten Leistungssituationen verbinden sollen.
Die Lehrkraft geht währenddessen durch den Raum, unterstützt die Gespräche bei Bedarf und achtet darauf, dass die Schülerinnen und Schüler konkret bleiben und ihre Aussagen anhand von Belegen begründen.
Von der Stärke zur Handlung
10 MinutenSie halten fest:
• welche Stärke sie nutzen möchten;
• in welcher Situation diese Stärke bereits sichtbar wurde;
• wie sie die Stärke bei der nächsten Aufgabe einsetzen werden;
• bei welcher konkreten Leistungsaufgabe sie dies vorhaben;
• woran sie erkennen werden, dass der Einsatz der Stärke erfolgreich war.
Im Mittelpunkt steht die Übertragung auf die Praxis. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Einheit mit einer klar benannten Stärke und einer konkreten Situation verlassen, in der sie diese erneut einsetzen möchten.
Das ist der innovative Kern der Methode: Feedback wird nicht nur interpretiert, sondern in einen gezielten nächsten Handlungsschritt übersetzt.
Abschluss und nächster Schritt
5 MinutenMöglicher Abschluss:
„Heute habt ihr aus Feedback ein Stärkenprofil entwickelt. Ihr habt untersucht, was die Rückmeldungen eurer Lehrkraft tatsächlich zeigen, eine Stärke erkannt und entschieden, wie ihr sie bei eurer nächsten Aufgabe einsetzen wollt. Das bedeutet, die eigene Kompetenz bewusst zu nutzen: Ihr versteht, was ihr könnt, und setzt es gezielt ein.“
Wenn möglich, bewahren die Schülerinnen und Schüler ihr Stärkenprofil auf und sehen es nach der nächsten Aufgabe erneut durch.
Reflexion & Tipps
Reflexion
Die Schülerinnen und Schüler können individuell oder in einer kurzen Diskussion mit der gesamten Klasse über ihre Erfahrungen nachdenken.
Mögliche Reflexionsfragen:
• Welche Stärke ist dir heute besonders deutlich geworden?
• Welcher Teil der Rückmeldung war für dich der hilfreichste Beleg?
• Hat dich eine deiner Stärken überrascht?
• Wie fühlt es sich an, bei einer schulischen Leistung die eigenen Stärken in den Mittelpunkt zu stellen?
• Welche Stärke möchtest du bei deiner nächsten Aufgabe stärker einsetzen?
Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
•„Meine wichtigste Stärke ist …“
• „Diese Rückmeldung hilft mir, weil …“
• „Bei meiner nächsten Aufgabe werde ich meine Stärke so einsetzen: …“
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Die Moderation liest anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.
Tipps zur Umsetzung
Förderung des Lernprozesses
Gestalten Sie die Aktivität altersgerecht und orientieren Sie sich an konkreten Belegen. Schülerinnen und Schüler dieser Altersgruppe profitieren davon, wenn man sie als kompetente Interpretinnen und Interpreten ihrer Rückmeldungen behandelt und nicht als passive Empfängerinnen und Empfänger. Die Lehrkraft sollte präzise Formulierungen und konkrete Beispiele fördern.
Worauf besonders zu achten ist
Vermeiden Sie, dass die Einheit zu einer allgemeinen Lobesrunde wird. Die identifizierte Stärke muss sich aus einer tatsächlichen Rückmeldung ableiten lassen und mit einer zukünftigen Aufgabe verbunden werden.
Die Methode funktioniert besonders gut, wenn sie einen klaren Bezug zu schulischen Leistungen, Präsentationen, schriftlichen Arbeiten oder zur Prüfungsvorbereitung hat.
Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie ausschließlich den „Feedback-Erntebogen“ und ergänzen Sie einen kurzen Austausch zu zweit.
Erweiterte Version: Wiederholen Sie die Methode anhand mehrerer Aufgaben. So können die Schülerinnen und Schüler nach und nach ein kleines Portfolio ihrer Stärkenprofile aufbauen.
Querverweise zu anderen Übungen
• Studio für gegenseitige Unterstützung (Support Net Studio)
• Motivations-Quest-Labor (Motivation Quest Lab)
• Fehlermarkt – Fehler als Lernchance nutzen (Failure Market — Trading Mistakes for Learning Power)
• Navigationslabor für Arbeitsbelastung (Workload Navigator Lab)