Labor für gegenseitige Unterstützung

Die Schulleitung wählt eine anspruchsvolle Führungssituation aus, erfasst, welche Unterstützung vor, während und nach der Herausforderung benötigt wird, und entwickelt gemeinsam mit dem Team einen klaren Unterstützungsablauf. Die Methode macht aus Vertrauen als allgemeinem Gefühl eine praktische Routine, die im Schulalltag erprobt werden kann.

✍️ Klaus Linde-Leimer
⏱️ Dauer 1 Schulstunde
🔄 Häufigkeit Einmal im Monat
👥 Zielgruppe Schulmanagement
🎯

Ziel

Diese Methode stärkt das Sicherheitsgefühl der Schulleitung, indem die Unterstützung durch das Team sichtbar und verlässlich wird. Sie hilft Führungskräften zu erkennen, dass anspruchsvolle Aufgaben nicht allein bewältigt werden müssen. Dadurch verbessern sich die Kommunikation und das Vertrauen in die eigene Arbeit. Im Modell von William Glasser wird das Sicherheitsgefühl durch vertrauenswürdige Beziehungen gestärkt. Auch die OECD und Edutopia betonen, dass Vertrauen und Kollegiale Zusammenarbeit für eine gesunde Schulkultur wichtig sind.

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Einsatz und Lernergebnisse

  • Unterstützt die Schulleitung dabei, zu erkennen, wann Unterstützung durch das Team besonders wichtig ist
  • Macht vorhandene Unterstützung und fehlende Unterstützungsangebote sichtbar.
  • Ermutigt das Team, für anspruchsvolle Situationen einen praktischen Unterstützungsablauf zu entwickeln.
  • Fördert Vertrauen, Verlässlichkeit und gemeinsame Verantwortung.
  • Führt zu einem konkreten Unterstützungsprotokoll, das erprobt und verbessert werden kann.
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WELL³-Bezug

Grundbedürfnis

🛡️ Sicherheit

Qualitätsdimensionen

Schulkultur Leistungskultur Führungskultur
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Details & Vorbereitung

🏫

Raumanforderungen

Benötigt wird ein Besprechungsraum, in dem die Schulleitung in Kleingruppen zusammensitzen und sich bei Bedarf kurz im Raum bewegen kann. Ein Flipchart oder Whiteboard ist hilfreich, um Unterstützungsbedarfe zu erfassen und das abschließende Protokoll zu dokumentieren. Eine besondere technische Ausstattung ist nicht erforderlich.

⏳

Zeit für die Vorbereitung

15 Minuten

📝

Vorbereitung

Aufgaben vor der Durchführung:
• Wählen Sie eine herausfordernde Führungssituation, die realistisch und aktuell ist.
• Bereiten Sie eine einfache Momentaufnahme zum Vertrauen für die individuelle Reflexion vor.
• Drucken Sie Backline-Kartenblätter für die Gruppenarbeit aus.
• Drucken Sie ein Unterstützungsprotokoll für die abschließende Vereinbarung aus.
• Bereiten Sie Moderationskarten bzw. Haftnotizen, Stifte und Klebepunkte vor.
• Wenn möglich, planen Sie ein Follow-up-Datum, bevor die Sitzung endet.

Prinzipien für den Erfolg
• Sorgen Sie für eine ruhige, praxisorientierte Atmosphäre, in der sich niemand verteidigen muss.
• Konzentrieren Sie sich auf unterstützende Systeme, nicht auf persönliche Schwächen.
• Arbeiten Sie mit einer konkreten Situation und nicht mit der gesamten Arbeitsbelastung der Schulleitung.
• Gestalten Sie die Unterstützung so, dass sie leicht aktiviert werden kann und für alle Beteiligten verständlich ist.
• Beenden Sie die Sitzung mit einem klar definierten Pilotversuch und einem Termin für die Überprüfung.

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Materialien

• Ausgedruckte Momentaufnahme zum Vertrauen (Trust Snapshot Sheet)tt
• Ausgedruckte „Landkarte für verlässlichen Rückhalt“
• Ausgedruckte „Vereinbarung für verlässliche Unterstützung“
• Stifte oder Marker
• Haftnotizen
• Punktaufkleber
• Flipchart oder Whiteboard

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Ablauf

1

Einführung

⏱ 5 Minuten
Die Moderation führt in die Idee ein, dass Vertrauen nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine Struktur ist: Führungskräfte fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, wer ihnen den Rücken stärkt und wie die Unterstützung in anspruchsvollen Situationen funktioniert.
Mögliche Einführung:
„Führungsarbeit bringt immer wieder anspruchsvolle Situationen mit sich: ein schwieriges Gespräch, einen plötzlich auftretenden Konflikt, eine knappe Frist, ein Personalproblem oder eine Woche mit besonders hoher Belastung. In solchen Momenten kommt es darauf an, ob Unterstützung unklar bleibt oder verlässlich ist. Heute betrachten wir eine anspruchsvolle Lage und entwickeln einen einfachen Unterstützungsablauf, damit alle wissen, auf welche Hilfe sie vor, während und nach der Herausforderung zählen können.“
Die Moderation erklärt, dass die Sitzung mit einer individuellen Reflexion beginnt, anschließend gemeinsame Muster erfasst werden und schließlich ein gemeinsam vereinbartes Unterstützungsprotokoll entsteht. Das Team Sollte es sein dabei als wichtigste gegenseitige Unterstützungsgruppe.
2

Momentaufnahme zum Vertrauen

⏱ 10 Minuten
Die Mitglieder der Schulleitung erhalten die Momentaufnahme zum Vertrauen und reflektieren individuell.
Dabei setzen sie sich beispielsweise mit folgenden Fragen auseinander:
• Wann benötige ich am meisten Rückhalt von meinem Team?
• Was hilft mir, mich sicher zu fühlen, wenn der Druck steigt?
• Was macht Unterstützung zuverlässig und was lässt sie unsicher erscheinen?
• Wann habe ich mich von Kollegen und Kolleginnen wirklich unterstützt gefühlt?
• Welche Art von Unterstützung würde mir helfen, beim nächsten Mal besser zurechtzukommen?
Jede Person wählt eine reale Situation aus und schreibt kurze, konkrete Notizen. Ziel ist es, herauszufinden, wo Vertrauen bereits besteht und wo ein klarerer Unterstützungsweg benötigt wird.
3

Muster sichtbar machen

⏱ 10 Minuten
Die Teilnehmenden tauschen sich zu ausgewählten Punkten ihrer Momentaufnahmen zu zweit oder in Kleingruppen aus. Die Moderation sammelt die wichtigsten Themen auf einer Tafel oder einem Flipchart und ordnet sie Kategorien zu, beispielsweise:
• frühzeitiges Wahrnehmen von Unterstützungsbedarf
• schnelle Reaktion
• Vertraulichkeit
• praktische Unterstützung
• emotionale Rückversicherung
• Verbindlichkeit und Nachverfolgung durch die Schulleitung
• klare Rollen
• Nachbesprechung nach der Situation
Anschließend identifiziert die Gruppe gemeinsam:
• Eine Situation, in der Unterstützung bereits gut funktioniert
• Eine Situation, in der die Unterstützung schwach oder unklar erscheint
• Ein Unterstützungselement, das den größten Unterschied bewirken würde
Dieser Schritt hilft dem Team, von individuellen Eindrücken zu einem gemeinsamen Bild davon zu gelangen, wie sich Vertrauen in der Praxis zeigt. Quellen der OECD und von Edutopia betonen, dass Lehrkräfte und Führungskräfte besonders dann gut arbeiten können, wenn Beziehungen von Vertrauen und Zusammenarbeit geprägt sind und klare Unterstützung vorhanden ist.
4

Einen verlässlichen Unterstützungsweg entwickeln

⏱ 15 Minuten
Die Kleingruppen arbeiten nun mit der „Landkarte für verlässlichen Rückhalt“.
Ihre Aufgabe ist es, für die ausgewählte anspruchsvolle Situation einen konkreten Unterstützungsablauf zu entwickeln. Dieser soll drei Fragen beantworten:
• Welche Unterstützung wird benötigt, bevor die Situation eintritt?
• Welche Unterstützung wird während der Situation benötigt?
• Welche Unterstützung wird benötigt, nachdem die Situation vorbei ist?
Dies ist der innovative Kern der Methode: Die Schulleitung spricht nicht nur allgemein über Vertrauen, sondern entwickelt ein konkretes Unterstützungssystem für eine reale Herausforderung in der Führungsarbeit. Der Ablauf soll einfach, kostengünstig und realistisch sein. Er kann beispielsweise Folgendes beinhalten: - Eine kurze Vorabstimmung mit einer Kollegin oder einem Kollegen - Ein klares Signal, mit dem Unterstützungsbedarf angezeigt wird - Eine festgelegte Person, die bei Bedarf einspringt - Eine kurze Nachbesprechung im Anschluss - Eine Rückfrage am folgenden Tag, um sich nach dem Befinden und dem weiteren Bedarf zu erkundigen
Das Team legt außerdem fest, wer für die einzelnen Schritte verantwortlich ist. Ziel ist ein verlässlicher Rückhalt, nicht die Schaffung zusätzlicher Bürokratie.
5

Galeriegang und Rückmeldung

⏱ 10 Minuten
Jede Gruppe stellt ihren entwickelten Unterstützungsweg kurz vor. Die anderen Teilnehmenden hören zu und platzieren Klebepunkte neben den Vorschlägen, die sie für besonders geeignet halten. Dabei achten sie darauf, welcher Vorschlag
• am nützlichsten ist;
• am realistischsten;
• sich am einfachsten in einer gewöhnlichen Schulwoche umsetzen lässt;
• geeignet halten, Vertrauen und Sicherheit zu stärken.
Die Moderation unterstützt die Gruppe anschließend dabei, einen Unterstützungsweg auszuwählen, der zuerst erprobt werden soll.
Wenn eine weitere Führungskraft anwesend ist, nimmt sie unmittelbar und klar Stellung zu folgenden Fragen:
• Welche Unterstützung kann sie zusagen?
• Was wird sie konkret tun?
• Welche Punkte müssen vor der Umsetzung noch geklärt werden?
• Welche Schritte können zeitnah beginnen?
Diese Antwort ist wichtig, weil Sicherheit wächst, wenn Unterstützung nicht nur diskutiert, sondern sichtbar zugesagt wird. Vertrauen in Schulteams wird gestärkt, wenn Führungskräfte konsequent handeln, klar kommunizieren und das, was sie sagen, umsetzen.
6

Umsetzung starten und nächste Schritte vereinbaren

⏱ 5 Minuten
Die Moderation fasst das ausgewählte Unterstützungsprotokoll zusammen und unterstützt das Team dabei, folgende Punkte verbindlich zu vereinbaren:
• Wer wird den Ablauf erproben?
• Wann beginnt die Erprobung?
• Wie lange wird sie durchgeführt?
• Woran erkennen wir, dass der Dialogpfad zu einer Verbesserung beigetragen hat?
• Wann wird die Gruppe die Erfahrungen erneut gemeinsam überprüfen?
Möglicher Abschluss:
„Heute haben wir Vertrauen in einen praktischen Unterstützungsablauf übersetzt. Es geht nicht darum, jede Herausforderung zu beseitigen, sondern sicherzustellen, dass niemand eine schwierige Situation allein bewältigen muss. Sicherheit wächst, wenn Unterstützung klar, gemeinsam getragen und verlässlich ist.“
Wenn möglich, wird die Vereinbarung in den folgenden Wochen erprobt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgegriffen.
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Reflexion & Tipps

Reflexion

Mögliche Reflexionsfragen:
• Wann fühle ich mich von meinem Team besonders gut unterstützt?
• Was macht Unterstützung zuverlässig und nicht zufällig?
• Welcher Bestandteil des Unterstützungsablaufs wäre bei der tatsächlichen Arbeit am hilfreichsten?
• Was sollten wir beibehalten, was verändern und was als Nächstes ausprobieren?

Optionale Methode:
Verwenden Sie für die abschließende Reflexion drei Kategorien von Haftnotizen:
• Ich fühle mich sicher, wenn …
• Ich spüre Rückhalt, wenn …
• Unser nächster Unterstützungsablauf wird …
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notizen an einer Tafel oder einem Whiteboard an. Lesen Sie anschließend die wiederkehrenden Themen kurz vor.

Tipps zur Umsetzung

Förderung des Lernprozesses
Sorgen Sie für eine praxisorientierte und nicht wertende Atmosphäre. Schulleitungen sind eher bereit, sich zu öffnen, wenn die Sitzung als Gestaltungsaufgabe und nicht als Beschwerderunde angelegt ist. Der Fokus sollte auf einer konkreten anspruchsvollen Lage und einem verlässlichen Unterstützungsablauf liegen.

Worauf besonders zu achten ist
Vermeiden Sie, dass sich die Diskussion zu einer allgemeinen Kritik an Kolleginnen, Kollegen oder der Führung entwickelt. Die Methode funktioniert am besten, wenn sie einen konkreten Belastungspunkt identifiziert, die bestehende Unterstützung erfasst und einen Unterstützungsablauf entwickelt, der tatsächlich genutzt werden kann.

Mögliche Variationen der Übung
Kurzversion: Verwenden Sie ausschließlich die Momentaufnahme zum Vertrauen und entwickeln Sie einen einzigen Unterstützungsablauf.
Erweiterte Version: Erproben Sie die Vereinbarung über einen Zeitraum von zwei Wochen. Treffen Sie sich anschließend erneut, um gemeinsam zu überprüfen, was gut funktioniert hat und was angepasst werden muss.

Querverweise zu anderen Übungen
• Entscheidungsraum-Studio
• Standards Unterstützungsnetz
• Entscheidungsfacilitation-Studio
• Leadership Shift Lab